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Pressebericht

vom 16.03.2011
"Die Gesellschaft
entfernt sich eher
von den
Streitkräften"
Ulrike Merten, Präsidentin
der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, zu Gast bei Sektion
in der Jadestadt
WILHELMSHAVEN /HL Die
Bundeswehr wird auch ohne Wehrpflicht eine Parlamentsarmee bleiben. Da
ist sich Ulrike Merten, langjährige Vorsitzende des
Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages, sicher. Zwar sitzt
die SPD-Politikerin seit dieser Legislaturperiode nicht mehr im
Parlament, verfügt aber über einen großen Erfahrungsschatz und nach
wie vor über zahlreiche Kontakte. Sie begründete ihre Aussage mit
einem Rückblick auf die Gründung der Bundeswehr und das, was deren
"Väter" den Streitkräften mit auf den Weg gegeben haben. Gerade die
Idee vom Staatsbürger in Uniform und der Inneren Führung stünden
beispielhaft für die Verwurzelung in der demokratischen Gesellschaft,
so Merten. "Die Gesellschaft entfernt sich eher von den Streitkräften:
Zum einen, weil sie ihnen zunehmend mit Desinteresse begegnet, zum
anderen, weil die Bundeswehr immer mehr aus der Fläche verschwindet."
So werde der Soldatenberuf möglicherweise irgendwann nur noch als eine
von vielen Dienstleistungen wahrgenommen. "Dabei ist für die Soldaten
der Rückhalt in der Bevölkerung wichtig." Eine Lösung dieses Problems
zeigte die Politikerin jedoch nicht auf. "Aber bei zu Guttenberg
hatten die Soldaten offenbar das Gefühl, dieser habe den richtigen Weg
gefunden, die Gesellschaft auf ihre Einsätze und Belange hinzuweisen."
Die Politikerin weiß mit einem Blick auf die NATO-Partner, die
ebenfalls ohne Wehrpflicht auskommen: "Eine Freiwilligenarmee spart
kein Geld." Es käme einer Quadratur des Kreises gleich, wolle man mit
weniger Geld attraktive Streitkräfte gestalten und mit einer aktiven
Personalgewinnung qualifizierten Nachwuchs locken. Da komme auf den
neuen Minister und die Abgeordneten noch einiges zu, meinte sie.
Merten, seit 2010 Präsidentin der Gesellschaft für Wehr- und
Sicherheitspolitik (GfW), stellte vor über 30 Mitgliedern der hiesigen
GfW-Sektion ihre Positionen dar und beantwortete anschließend
zahlreiche Fragen der fachkundigen Zuhörer.
Die Bundeswehr stehe nicht
erst jetzt vor einer gewaltigen Reform, sondern sei bereits seit 1990
in einem ständigen Umbruch. "Seitdem bröckelte auch der breite Konsens
hinsichtlich der Wehrpflicht kontinuierlich", sagte Ulrike Merten.
Nach dem Kalten Krieg war angesichts einer diffusen neuen
Bedrohungslage der Bevölkerung eine militärische Daseinsvorsorge nur
schwer zu vermitteln. Dass dabei vonseiten der Politiker auch Fehler
gemacht wurden, räumte sie ein und nannte Afghanistan als Beispiel:
Hier habe man selbst die Lage lange falsch eingeschätzt und zu spät
die kriegerischen Aspekte des Bundeswehreinsatzes deutlich gemacht.
Zwei Drittel der Arbeit im Verteidigungsausschuss beschäftige sich mit
den Einsätzen der Bundeswehr, machte Merten den Wandel zu Einsatzarmee
und der zunehmenden Verantwortung der Politik deutlich. Dabei seien
nur selten idealistische Gräben zwischen den Parteien aufgetreten,
erinnert sie sich. "Es gab leidenschaftliche Debatten, ja, aber es
herrschte stets ein gewisser Grundkonsens." In der Auskunftspflicht
des Verteidigungsministers im Ausschuss werde zudem die Stärke des
Parlaments deutlich. Zur Frage aus den Reihen der Zuhörer nach einem
nationalen Sicherheitskonzept bezog Ulrike Merten keine deutliche
Position. Sie verwies auf das alte Weißbuch der Bundeswehr von 2006
zur Sicherheitspolitik Deutschlands. Ein breite Debatte der
Parlamentarier im Bundestag zu diesem Thema sieht sie eher nicht:
"Verteidigungspolitik wird von den meisten Abgeordneten gerne an die
Mitglieder des Verteidigungsausschusses abgeschoben", weiß sie aus
eigener Erfahrung.
© Wilhelmshavener
Zeitung 2011 - veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der
Redaktion
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