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18.06.2011
Auslandseinsätze der Bundeswehr
Verantwortung ohne Grenzen?
NÜRNBERG — Sieben Soldaten der Bundeswehr kamen in diesem Jahr bereits
in Afghanistan ums Leben. Die Situation dort wird immer gefährlicher.
Bei jedem weiteren Vorfall mehren sich die Stimmen, sich so schnell
wie möglich aus dem Land am Hindukusch zurückzuziehen. Auch darüber
wird bei der Nürnberger Sicherheitstagung 2011 diskutiert werden
müssen. Sie steht unter dem Motto „Die Bundeswehr im Auslandseinsatz –
Politische Verantwortung und militärische Führung“. Wie schon in den
Jahren zuvor ist die Nürnberger Zeitung Mitveranstalterin.

Bei der
Gründung der Bundeswehr im Jahr 1956 hieß es: Nie wieder deutsche
Truppen im Ausland. Die Bundeswehr sei eine reine Verteidigungsarmee.
Doch mittlerweile hat sich ihre Rolle verändert. Mit dem Zusammenbruch
des Warschauer Paktes wurde die Gefahr eines Atomkrieges zwar
unwahrscheinlich. Friedlich wurde die Welt deswegen nicht. Deutschland
trägt heute im Rahmen des Nato-Engagements Mitverantwortung für eine
möglichst friedliche und gerechte Entwicklung der Welt. Dazu gehört
neben allen Formen der internationalen Politik und der
wirtschaftlichen Zusammenarbeit gelegentlich auch der Einsatz
militärischer Mittel, um Unrecht und Menschenrechtsverletzungen
entgegenzutreten. So erschien es nach dem September 2001 wichtig, dass
von Afghanistan weniger Instabilität und vor allem kein Terror mehr
auf andere Teile der Welt ausstrahlen können. Das Schaffen tragfähiger
staatlicher Strukturen ist die Voraussetzung für eine künftige
Beendigung des militärischen Einsatzes, der im Jahr 2014 abgeschlossen
sein soll. Bis dahin kann jedoch noch viel passieren, wie die
zunehmende Zahl von Anschlägen zeigt, in die die Bundeswehr verwickelt
ist.
Nach einer Lagebeurteilung
durch den Parlamentarischen Staatssekretär im
Verteidigungsministerium,
Christian Schmidt, wird am kommenden Freitag der
afghanistanerfahrene Brigadegeneral Johann Langenegger mit Markus
Keim von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Adolf
Kloke-Lesch von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit
(GIZ) und dem Chefreporter der Bildzeitung, Julian Reichelt,
diskutieren.
Der Wehrbeauftragte des
Deutschen Bundestags, Hellmut
Königshaus, beleuchtet die Situation der Soldaten, während der
frühere Vize-Nato-Oberbefehlshaber, General Karl-Heinz Lather, die
militärische Sicht der Dinge aufzeigt. Über die Stimmung in der
Truppe und in den Soldatenfamilien unterrichtet der eloquente
Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Oberst Ulrich Kirsch.
Auf hohes Interesse dürfte aber auch die unterschiedliche Bewertung
der Auslandeinsätze durch den grünen Sicherheitspolitiker
Winfried
Nachtwei und den Publizisten Andreas Zumach (Genf) stoßen. Während
Nachtwei den Einsätzen bedingt zustimmt, lehnt Zumach das Engagement
in Afghanistan strikt ab.
Informationen über den Ausbildungsstand der afghanischen Polizei
liefert der leitende Polizeiberater an der Deutschen Botschaft in
Kabul, Polizeidirektor Markus Ritter. Von der Qualität der Polizei
wird es in erster Linie abhängen, ob Afghanistan den Schritt zu einem
funktionierenden Staat schaffen kann oder ein von Provinzfürsten und
Einzelinteressen zerrissenes Land bleibt.
Die
Tagung wird getragen von der Friedrich-Naumann-Stiftung, vom Deutschen
Bundeswehrverband, der Clausewitz-Gesellschaft, der Gesellschaft für
Wehr- und Sicherheitspolitik, dem Reservistenverband und der Deutschen
Atlantischen Gesellschaft. Kooperationspartner ist der Arbeitskreis
Bundeswehr und Wirtschaft Bayern.
Raimund Kirch |