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vom 03.11.2011
Europäische Armee: Idee oder Fiktion? -
GfW Präsidentin Ulrike MERTEN besuchte OB
Fulda -
Wird es in Zukunft vielleicht eine europäische Armee
geben? Wenn es nach Ulrike Merten-Hamann (SPD), der neuen
Präsidentin der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW),
geht, würde dieser Gedanke unter verteidigungs- und
sicherheitspolitischen Gesichtspunkten durchaus Sinn machen.
Gleichwohl vermutet die langjährige Vorsitzende des
Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages, dass diese Idee
„möglicherweise nie Realität wird.“ Bonifatiushausdirektor Gunter
Geiger sowie Sektionsleiter Michael Trost hatten den Zuhörern von
Ulrike Merten einen „spannenden Abend angesichts eines spannenden
Themenfelds mit einer ausgewiesenen Expertin“ versprochen. Zugleich
betonte Geiger, die GfW könne froh und stolz sein, Merten als neue
Präsidentin gewonnen zu haben.
Auf
dem gemeinsam vom Bonifatiushaus und der Fuldaer GfW-Sektion
veranstalteten Akademieabend zum Thema „Die Bundeswehr vor der
Umstrukturierung – nationale Sicherheitsvorsorge im internationalen
Rahmen?“ ließ Merten dennoch keinen Zweifel daran, dass sich Europa
künftig mehr zusammentun müsse. Erste Erfolg versprechende Ansätze
gibt es bereits. 15 Nachbarstaaten nutzten die Kooperation mit
Deutschland, um ihr militärisches Führungspersonal an den
„hervorragenden Schulen“ der Bundeswehr ausbilden zu lassen. Das
bedeute für die beteiligten Partner, weniger Geld für teure
Ausbildung ausgeben zu müssen und trotzdem schlagkräftig zu bleiben.
GfW-Präsidentin Merten sieht zudem weitere Felder einer möglichen
Zusammenarbeit. Die baltischen Staaten beispielsweise unterhalten
keine eigenen Luftstreitkräfte. Sondern bedienen sich bereits der
Luftstreitkräfte der NATO. Eine der NATO Strategie des so genannten
„Air Policing“ vergleichbare Lösung hielte sie auf diesem Gebiet
auch anderswo für durchaus denkbar. Auf jeden Fall aber plädiert die
sicherheitspolitische Expertin für eine „vertiefte Integration der
Verteidigungs- und Sicherheitspolitik“ in die gesamteuropäischen
Überlegungen angesichts der Tatsache, dass sich Europa ein
gemeinsames Parlament und eine gemeinsame Währung leiste.
Fähigkeit
gefragt
Kann die Bundeswehr
ihre vielfältigen Aufgaben im Bündnis nach der drastischen
Reduzierung des Personals noch erfüllen? Oder: Kann sie mit den
Herausforderungen der Zukunft Schritt halten? Fragen wie diese
beantwortete Merten mit der Feststellung, dass es nicht auf den
Umfang des Personals, sondern vielmehr auf die Fähigkeit zur
Umsetzung der Aufgaben ankomme. Dies sei vor dem Hintergrund der
Auslandseinsätze der Bundeswehr von entscheidender Bedeutung. Auch
in Zukunft blieben jedoch die Landesverteidigung oder die Hilfe im
Katastrophenfall Kernaufgaben der Soldaten. Allerdings falle es
immer schwerer, dies zu vermitteln, nachdem sich die Bundeswehr aus
der Fläche zurückziehe und Standorte geschlossen werden müssen. Das
umso mehr, als der bis zur politischen Wende 1990 geltende
gesellschaftliche Konsens der Notwendigkeit der Streitkräfte zur
Landesverteidigung in den Jahren danach beispielsweise der Frage
gewichen sei, ob die Wehrpflicht überhaupt noch notwendig ist. Die
von einem Teilnehmer geäußerte Sorge, die neue Bundeswehr als
Freiwilligen- bzw. Berufsarmee könne sich von der Gesellschaft
entfernen, beantwortete Merten mit der Befürchtung, dass sich eher
die Gesellschaft von der Bundeswehr entfernen könnte. Angesichts
dieser Tatsache sei die sicherheitspolitische Öffentlichkeitsarbeit
unverzichtbarer denn je.
Festakt
mit Kleist in Berlin
Diesen Gedanken hatte
Merten auch bei ihrem vorausgegangenen Besuch im Stadtschloss
hervorgehoben. Während einer Begegnung mit Oberbürgermeister Gerhard
Möller erinnerte die GfW-Präsidentin daran, dass die älteste
sicherheitspolitische Bildungsinstitution der Republik 2012 mit 100
Sektionen und über 7.000 Mitgliedern ihren 60. Geburtstag feiern
könne. Am 5. Januar 1952 war der Verband von einem der wenigen
Überlebenden des Widerstands aus dem Umfeld von Stauffenberg,
Ewald-Heinrich von Kleist-Schmenzin, in München gegründet worden.
Von Kleist, worauf Merten hinwies, war auch „Vater“ der
Internationalen Wehrkundetagung in der bayerischen Landeshauptstadt,
der heutigen Münchner Sicherheitskonferenz, die sich bekanntlich zum
einzigen sicherheitspolitischen Forum in Deutschland mit hoher
internationaler Beteiligung entwickelt hat. Der GfW-Gründer wird
auch am Festakt in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in
Berlin teilnehmen, mit dem das Jubiläum gebührend gefeiert wird.
Fuldas OB unterstrich die Notwendigkeit der öffentlichen Präsenz der
GfW. Denn das Thema Sicherheit sei sehr wichtig. Das Jubiläum, so
Möllers Hoffnung, werde der Gesellschaft sicherlich neuen Schub für
die Verbandsarbeit bringen. Angesichts des Umstands, dass es den
bisherigen Zivildienst nicht mehr gebe, müsse die Frage gestellt
werden, was der neue Freiwilligendienst als Ersatz bringen könne.
Wie wichtig sicherheitspolitische Fragen generell sind, belegte OB
Möller mit dem Hinweis auf die früher grenznahe Lage der Region am
„Eisernen Vorhang“. „Wir wussten besser als viele andere, wie
unersetzlich und großartig die Leistungen der Amerikaner um den
Erhalt von Frieden und Freiheit waren.“ Merten, die sich bei Fuldas
Oberbürgermeister für den sympathischen Gedankenaustausch bedankte,
dankte auch Sektionsleiter Michael Trost für eine „höchst
vielseitige und attraktive sicherheitspolitische
Öffentlichkeitsarbeit für jedermann im Sinne der Zielsetzungen der
GfW. Trosts langjähriges ehrenamtliches Engagement sei
bemerkenswert. Er trage entscheidend dazu bei, das Ziel der
Gesellschaft nach außen zu tragen: die realistische Darstellung,
Beurteilung und Bewertung der sicherheitspolitischen Lage auf der
Welt im 21. Jahrhundert unter den Vorzeichen neuer Risiken und
Chancen in einer sich stetig weiter globalisierenden Welt. +++
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