Nr. 11/2013

Periodischer Beitrag

Landesbereich IV

Hessen - Rheinland-Pfalz - Saarland

 

Sektionen Frankfurt/Main, Gießen und Marburg

Sektionsleiter:  Hans Peter Hess

„Nur wenn man zuhört und sich auf sie einlässt, können wir etwas bewegen“

Mit der Gemeinde Lautertal und dem Reservistenverband sowie in Eschborn mit den Mitgliedern des Rotary Clubs berichtete  Oberleutnant zur See Marco Hellgrewe in zwei eindrucksvollen Vorträgen über seinen Einsatz in Afghanistan.

Als interkultureller Einsatzberater hat Hellgrewe 1300 Gespräche und über 800 Treffen mit Taliban, Mujaheddin, Geistlichen, Gouverneuren und lokalen Stammesführern geführt und dabei alleine, nur von einem Sprachmittler begleitet, fast  30.000 Kilometer kreuz und quer durch das Land zurückgelegt. Schwerpunkt waren dabei die Provinzen Kandahar, Helmand und Herat. Der Auftrag lautete: „Lokalisieren und Analysieren von terroristischen Netzwerken“. Zu seinen interessantesten Begegnungen gehöre auf der Negativseite ein fast dreistündiges Hassgespräch, so Hellgrewe. Als besonders positiv stellte er dagegen seine Begegnung mit 60 hohen Würdenträgern heraus, die wegen eines gemeinsamen Essens sogar auf das Freitagsgebet verzichtete. Hellgrewe ging auch auf die Arbeit der nahezu 1000 in Afghanistan tätigen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ein, berichtete über die Drogenproblematik, die Kriminalität sowie über die Hintergründe so manchen Attentats, bei denen nicht die Politik, sondern Familienehre und Autoritätsbezeichnungen eine dominierende Rolle spielten. Ungefährlich waren seine Fahrten durch das Land am Hindukusch nie. Direkter Beschuss, Auffahrt auf eine Sprengfalle, eine Nierenvergiftung durch ungereinigtes afghanisches Brot oder ein heftiger  Schneesturm am Salang-Pass hätten ihm beinahe das Leben gekostet. Filmausschnitte hinterließen einen bleibenden Eindruck. Herr Hellgrewe wird im September wieder bei uns zu Gast sein und am „2. Gießener Sicherheitsforum“ über seine Erfahrungen berichten.

Mit dem Hessischen Wirtschaftsrat haben wir im Raum Frankfurt einige Vortragstermine für Unternehmer gestaltet. Vor der Sektion Taunus des Wirtschaftsrates Hessen, und der Deutschen Bank sprach der  Stellvertreter des Generalinspekteurs Generalleutnant Günter Weiler zum Thema: „Führungskräfte und Spezialisten der Bundeswehr in der Wirtschaft – Worin liegt der Mehrwert?“ Welche unternehmerisch relevanten  Vorteile zeichnen den Offizier bzw. den  Reserveoffizier aus. Ist der akademisch ausgebildete Offizier fit für die Wirtschaft? Es folgten interessante Gespräche und Diskussionsbeiträge. Unterstützt wurde diese Veranstaltung auch von Offizieren des Frankfurter Offiziervereins 1867. Fast 100 Besucher aus Wirtschaft, Unternehmens- und Personalberatern waren hier unsere Gäste.

 

Vortrag für Führungskräfte in Frankfurt/M. in Kooperation mit dem Wirtschaftsrat und der Deutschen Bank mit Generalleutnant Günter Weiler

„Islamismus in Deutschland – Politikum oder reale Gefahr?“ war das Thema des 23. Busecker Forums für Sicherheitspolitik. Das Thema ist aktueller denn je und weit über 130 Teilnehmer konnten wir an diesem Abend begrüßen. Die Referentin Sozialwirtin Dorothea Dienstbühl stellte zunächst den Islam als Glauben vor. „Als Islamismus bezeichnet man die meist militante Forderung nach Wiedereinführung der klassischen islamischen Gesetze, der sogenannten Scharia, in den von vorwiegend mit muslimischer Bevölkerung bewohnten Gebieten und Staaten“, zitierte die Referentin der Bundeszentrale für politische Bildung. Als Salafisten bezeichnet sich eine Strömung im islamischen Denken, die  eine Rückkehr zum ursprünglichen Islam der frommen Vorväter, dem Propheten Mohammed sowie der vier rechtsgeleiteten Kalifen fordern. Sie wollen die Unverfälschtheit des Glaubens in der ersten muslimischen Generation, mit dem Ziel einer politischen Ideologie, einen islamischen Staat zu errichten. Zielgruppe der Salafisten sind Jugendliche mit ersten Brüchen in der Biographie (Versagenserfahrung). Schuldzuweisung an Ungläubige sowie Missionieren von jungen Deutschen. Nach vorliegenden Zahlen aus dem Jahr 2011, gibt es 22.400 rechtsextreme Personen in Deutschland, denen 31.800 Linksextremisten und rund 38.000 islamistische Extremisten gegenüberstehen. Gewaltbereit seien davon 9.800 aus dem rechten Spektrum und 7.100 von links. Bei den islamistischen gewaltbereiten Personen rechne man mit ca. einem Prozent. Bekanntester Repräsentant der gewaltbereiten Islamisten ist Pierre Vogel.

 

23. Busecker Forum für Sicherheitspolitik zum Thema "Islamismus in Deutschland - Politikum oder reale Gefahr?"

 Foto: W.-H. Schmidt

Islam ist eine Religion, Islamismus hingegen ist eine fundamentalistische Ideologie, so die Referentin. Das Dulden von Islamismus in Deutschland entspringe einer falsch verstandenen Toleranz und sei gefährlich für die Demokratie. Salafisten sind eine kleine Minderheitsbewegung, die in Deutschland aktuell gefährlich floriert.

Mit dem Ärzteverein Bad Soden und der Notarztgemeinschaft Bad Soden wurde wieder eine gemeinsame Veranstaltung „Erst- und Notfallversorgung von Verletzten nach Gewalttaten mit Schusswaffen und Sprengmittel.“ durchgeführt. Unterstütz vom Autohaus BMW Euler mit Räumlichkeiten und Imbiss konnten über 200 Gäste begrüßt werden. Die diesjährige Fortbildungsveranstaltung beschäftigte sich mit der Versorgung von  Schussverletzungen, Splitter- und Sprengverletzungen, die in dem breiten Spektrum angebotener ärztlicher  Fortbildungen eher selten zu finden ist. Zunehmende Gewaltbereitschaft, auch im zivilen Leben, erinnert sei an die jüngsten Amokläufe, Terrorattacken, Boston ging gerade durch die Presse, und die Einbindung militärischer Auslandseinsätze bedeuten für die Notfallmedizin, dass  die Auswahl  dieser Themen alltagsrelevante Bedeutung erhalten hat.

Kooperationsveranstaltung mit dem Ärzteverein Bad Soden und der Notarztgemeinschaft Bad Soden im Hofheimer BMW-Autohaus Euler - Foto: W.-H. Schmidt

 Die Zusammenarbeit mit dem Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz und dessen Erfahrungen hinterließen bei den Teilnehmern einen nachhaltigen Eindruck. Mit OFA d.R. Dr. U. Jürgensen, dem Vorsitzenden des Ärztevereins und Notarzt wird es in naher Zukunft wieder eine interessante Veranstaltung geben.

Das „1. Sicherheitspolitisches Forum“ im Brauhausturm der Privatbrauerei Gießen fand mit Frau Prof. Dr. Britta Bannenberg, Professorin für Kriminologie mit Forschungsschwerpunkten Gewaltkriminalität, Kriminalprävention, Gewalt an Schulen statt. Bei dieser Vortragsveranstaltung hatten wir außer unseren Mitgliedern im Schwerpunkt Schulleiter und Lehrkräfte eingeladen.

„Wir haben kein funktionierendes Bedrohungsmanagement, obwohl gerade der Fall Breivig durch seine Verbreitung im Internet und in den Medien eine große Nachahmungswirkung erzeugt hat“. Columbine High School, Winnenden, Erfurt und Jokela machen deutlich, dass Amokläufe keine Seltenheit sind. Immer wieder stellt sich die Frage nach dem „Warum“ und dem „Wie lassen sich solche Taten verhindern?“ „Man kann genaue Analysen herstellen. Was war das für ein Täter, wie wurde er zum Mörder?“ Stets haben die Taten eine lange Vorentwicklung und der Täter teilt sich mit. Gerade Lehrer müssten sich für das Sozialverhalten solcher bedrohlichen Schüler sensibilisieren und ihre Drohungen ernst nehmen. Typische Merkmale sind oft schwarze Kleidung, ein unzugängliches Wesen und grausame Sprüche, die beiläufig fallen, wie: „So was wie in Columbine muss hier auch bald passieren.“ Es ist eine unterdrückte Aggression, die allen Tätern gemein ist. Wer seine Wut impulsiv rauslassen kann, ist kein typischer Täter, sagte Ulrich Marschall von Breidenstein, Leiter der Einsatzabteilung der Polizei Mittelhessen. Bei einem Amoklauf geht es dem Täter immer darum, möglichst viele Menschen mit in den Tot zu reißen. Ein Problem sei dabei, dass potenzielle Täter generell auf verdeckten Internetforen kommunizierten und am Tattag alles sehr schnell gehe, sodass Spezialeinheiten nicht rechtzeitig eingeflogen werden könnten, um Schlimmeres zu verhindern.

Hans Peter Hess

In eigener redaktioneller Verantwortung

 

Oben                                                                                                                                                                    Zurück

Unsere Partner: