Nr. 05/2012

 

Periodischer Beitrag

Landesbereich II

Niedersachsen und Bremen

Wieder einmal präsentierte sich der Landesverband der GfW  Niedersachsen – Bremen  mit hervorragenden, zeitnahen Themen,  aktuellen Referenten und interessanten Exkursionen zu wichtigen sicherheitspolitischen Themen. Ziel war und ist es, durch diese Art anschaulicher Präsentationen die Interessen einer politisch interessierten Zuhörerschaft anzusprechen und deren Informationsbedarf zu befriedigen. Beispielhaft sind  an dieser Stelle die beiden sehr aktiven Sektionen Oldenburg und Braunschweig/Wolfenbüttel/Peine zu nennen.

Sektion Oldenburg:

SL Ralph M. Schmuhl, Dipl.-Kfm., OTL a.D.

Zwei Aspekte unserer Arbeit im zurückliegenden Jahr sollen an dieser Stelle näher betrachtet werden. Zum einen das Bemühen, junge, heranwachsende Staatsbürger für unsere Themen zu interessieren und zum anderen der Versuch Besucherinteresse über verstärkte Aktualität zu generieren.

Der Auftrag der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, die sicherheitspolitische Informationsvermittlung, ist nur zu realisieren, wenn es gelingt, jüngere Schichten der Bevölkerung für sicherheitspolitische Fragestellungen zu interessieren. Da das allgemeine Interesse der Jugend an politischen Fragestellungen eher als  „suboptimal“ charakterisiert werden muss, liegt hier eine echte Herausforderung. In den zurückliegenden Jahren war es erfreulicherweise gelungen, stets ein bis zwei Leistungskurse der Oldenburger Innenstadtgymnasien als Hörer begrüßen zu können. Es ist festzustellen, dass seit der Umstellung des Abiturs von 13 auf 12 Jahre diese Zielgruppe völlig wegbrach. Im laufenden Jahr wird deshalb in Absprache mit den zuständigen „Fachkoordinatoren Politik“ in den Gymnasien, zweimal versucht (Referenten Vera Lengsfeld und Winfried Nachtwei), am Morgen nach den Vortragsveranstaltungen eine zusätzliche durchzuführen. Die Zielgruppe ist zu wichtig um nichts unversucht zu lassen, sie mit Themen des Erweiterten Sicherheitsbegriffes vertraut zu machen.

Richtschnur für unsere Themenauswahl war die Beobachtung der zurückliegenden Jahre, dass die zeitnahe Umsetzung aktueller Themen zu einer höheren Besucherzahl speziell von Nichtmitgliedern führte.  Das Themenspektrum der Umsetzung stellte sich dabei wie folgt dar.

Anlässlich der Verabschiedung  des  „Neuen Strategische Konzeptes“ der NATO sprach  Dr. Bastian Giegerich, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr (SOWI) über „Das Neue Strategische Konzept der NATO und seine Bedeutung   für die Deutsche Sicherheitspolitik".  Zeitnah zu der Entscheidung, die Allgemeine Wehrpflicht auszusetzen, referierte Dr. Heiko Biehl, Wissenschaftlicher Direktor am SOWI, über die Erfahrungen anderer Staaten mit der Umstellung von Wehrpflicht- auf eine Freiwilligenarmee zum Thema "Wehrpflicht ade – und was kommt jetzt?  Probleme und Erfahrungen europäischer Streitkräfte beim Übergang zur Freiwilligenarmee."   Die breite öffentliche Wahrnehmung der Piraterie vor der somalischen Küste war Anstoß für den Vortrag des StS beim BMVg, Thomas Kossendey, der über "Deutschlands Sicherheit auf See – Überlegungen zur Interessenwahrnehmung einer außenhandelsabhängigen Exportnation" vortrug.

Die Versenkung der  südkoreanischen Korvette Cheonan durch Nordkorea  behandelte ein ausgewiesener Landeskenner. Herr  Prof. Dr. Ortwin Buchbender sprach über „Das Land der Morgenstille in schwerer See - die zwei Korea im Dauerkonflikt:  Sachstand, Perspektiven, Konzeptionen“, Rhetorisch brillant und fachlich kompetent machte er die Zuhörer mit der Lage der feindlichen Brüder auf der koreanischen Halbinsel vertraut.  Umbau und Reduzierung der Bundeswehr sind, angesichts eines streng limitierten Finanzrahmens, eine Herausforderung, die den Blick auf die militärische Zusammenarbeit auf europäischer Ebene fordert, denn die militärische Integration Europas ist nicht nur erklärtes Ziel der politisch Handelnden sondern auch ein potentielles Einsparungspotential erheblichen Umfangs. Absichtserklärungen sind das eine, deren Realisierung das andere. Den aktuellen Ist-Zustand zu analysieren und Defizite zu hinterfragen war das Thema von Bernhard Gertz, Oberst a.D. und Vizepräsident der "European Organisation of Military Associations“, Brüssel: „Gemeinsame europäische Streitkräfte – politisches Luftschloss  oder realistisches Ziel?“  In einem desillusionierend offenen Vortrag von faszinierender Intensität wurden die massiven Defizite der Politik offengelegt.

Angesichts der am 6./7. Dezember 2011 in der litauischen Hauptstadt Wilna stattfindenden Ministerratstagung der OSZE und dem Umstand, dass die OSZE für eine breite Bevölkerungsmehrheit ein „unbekanntes Wesen“ ist, sprach Oberst i.G. Dr. Udo Ratenhof,  Leiter Anteil BMVg bei der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der OSZE, Wien über „Kooperative Sicherheit in Europa: Ende oder Neubeginn? Die OSZE im Spannungsfeld nationaler und multinationaler Interessen“

Schließlich die Wahlen in Russland: Am  04. Dezember 2011 wurde die Duma, am 04. März der neue/ alte russische Präsident gewählt. Anlass für uns, aktuelle Entwicklungen und Perspektiven dieses sich über zwei Kontinente erstreckenden Reiches einer intensiveren Betrachtung zu unterziehen. Prof. Dr. Hans-Henning Schröder, Forschungsgruppenleiter Russland/GUS der „Stiftung Wissenschaft und Politik“ (SWP) in Berlin referierte über „Russland nach der Parlaments- und vor der Präsidentenwahl: Entwicklungsperspektiven eines schwierigen Nachbarn“.

Die Erkenntnis: Mit einer derartig aktualitätsorientierten Veranstaltungsplanung gelingt es, auch im schwierigen Umfeld einer mit vielfältigen Angeboten glänzenden Universitätsstadt einen interessierten Zuhörerkreis  - bei starker Fluktuation der Besucher - zu erreichen.

Sektion Braunschweig/Peine/Wolfenbüttel

SL: Oberstleutnant d.R. Friedrich Deichmann

Die seinerzeitige Sektion Peine wurde am 20.01.1954 von einigen an wehrkundlichen Fragen interessierten Herren zunächst als lose Arbeitsgemeinschaft gegründet, wobei ein Gründungsprotokoll leider nicht mehr vorliegt, lediglich eine Notiz im Heft 8 des III. Jahrgangs der damaligen Verbandszeitschrift vom August 1954. Seit diesem Start setzte die Sektion in der Folgezeit im Rahmen der Gesellschaft für Wehrkunde ihre Arbeit auf breiter Basis fort. Folgende Maßnahmen wurden seit dieser Zeit ins Auge gefasst: Verstärkung der Vortragstätigkeit in qualitativer und quantitativer Hinsicht, Intensivierung der Truppenbesuche, Anknüpfung persönlicher Kontakte zur Lokalpresse und Kooperation mit dem Reservistenverband, dem Deutschen Marinebund, dem Kyffhäuserverband und dem Verband Deutscher Soldaten. Als Ergebnis dieser Maßnahme setzte eine spürbare Erhöhung der Mitgliederzahl aus allen Gesellschaftsschichten und somit auch eine Steigerung der Aktivitäten ein, so dass am 20. Januar 1989 im Rahmen einer Festveranstaltung mit über 100 Teilnehmern der 35. Geburtstag im Kreishaussaal in Peine begangen werden konnte. Aufgrund der guten und vielfältigen Angebote im Rahmen der Sektionsarbeit konnte der langjährige Sektionsleiter Oberstudiendirektor Klaus Keuffel in seiner Amtszeit von 1992 - 2010 die Mitgliederzahl auf 117 steigern.

Mit Beginn des Jahres 2011 übernahm Oberstleutnant d. R. Friedrich Deichmann die Leitung der Sektion, nachdem er über ein Jahrzehnt stellvertretender Sektionsleiter gewesen war; Stellvertreter wurde Oberstudienrat i.R. Roland Schwartz. Gleichzeitig erfolgte auch eine kleine Namensänderung in Sektion Peine/Wolfenbüttel. Von den unterschiedlichen Veranstaltungen des Jahres 2011 seien die Referate von Oberstleutnant d. R. Dr. Leopold Weil über den Reaktorunfall in Fukushima, von Generalmajor a.D. Dieter Budde über vernetzte Sicherheit und vernetzte Sicherheitspolitik und von Mark Schonnop vom Verfassungsschutz über Innere Sicherheit und Islamismus sowie die Informationsbesuche bei der Technischen Schule 3 der Luftwaffe in Faßberg und beim Versorgungs- und Instandsetzungszentrum Sanitätsmaterial der Bundeswehr in Blankenburg zu nennen. Mit Wirkung vom 1. Februar 2012 erfolgte aus organisatorischen Gründen eine Fusion mit der Sektion Braunschweig zur Sektion Braunschweig/Peine/ Wolfenbüttel mit insgesamt 145 Mitgliedern. Folgende Veranstaltungen sind für die nächste Zeit vorgesehen: "ein internationaler Korpsstab - Chancen und Herausforderungen", "Erfahrungen aus dem Einsatz in Afghanistan", "Brennpunkt Nahost - Konflikt ohne Ende?" und ein Informationsbesuch beim Panzerpionierbataillon 1 in Holzminden. Durch Kontaktaufnahme mit den Jugendoffizieren im Kreiswehrersatzamt Braunschweig soll im 60. Jubiläumsjahr der Gesellschaft für Wehr und Sicherheitspolitik eine weitere Intensivierung der Aktivitäten erfolgen.  Anhang: Foto vom Informationsbesuch bei der Technischen Schule 3 der Luftwaffe in Faßberg.

In eigener redaktioneller Verantwortung

Werner Hinrichs

Oberstleutnant a.D.

Landesvorsitzender Niedersachsen und Bremen  

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