Nr. 01/2014

Periodischer Beitrag

Landesbereich VI

Bayern

 

Sektion Augsburg - Lechfeld

Sektionsleiter Dr. Walter Laudes

Durch öffentliche Informationsveranstaltungen in unseren Sektionen leistet der Landesbereich VI, Bayern, der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) seinen Beitrag, den Wert von Sicherheitsvorsorge zur Wahrung unserer wehrhaften Demokratie in unserer Region bewusst zu machen. Die Thematik unserer Vorträge trägt dem ganzheitlichen Ansatz einer vernetzten Sicherheitspolitik in besonderem Maße Rechnung. Unsere Themen umfassen daher politische, soziale, ökonomische und ökologische Zusammenhänge, um die jeweiligen sicherheitspolitisch relevanten Aspekte aufzuzeigen.

Die Vortragsveranstaltungen z. B. der GfW-Sektion Augsburg-Lechfeld spiegeln die große Bandbreite der Themenvielfalt wider: namhafte, kompetente Referenten referierten von bundeswehrspezifischen Themen über die Bedrohung der Internetsicherheit unseres Staates bis zu Fragen der europäischen Verteidigungspolitik, von der Bedrohung unserer Rohstoffsicherheit bis zu den globalen Brennpunkten im Nahen und Fernen Osten. Hintergrundinformationen mit einer Einschätzung der zukünftigen Entwicklung in Russland und China rundeten das Bild ab. Hier eine Auswahl unlängst durchgeführter Vortragsveranstaltungen.

Einen Spezialverband der Bundeswehr, der in der Öffentlichkeit weithin unbekannt ist, stellte der Chef des Stabes der Division Spezielle Operationen, Oberst im Generalstab Stefan Geilen, im Offizierheim der Lechfeldkaserne vor: den Einsatzverband Militärische Evakuierungsoperation mit dem Motto „einsatzbereit - jederzeit – weltweit“. „Unser Auftrag ist der bewaffnete Einsatz im Ausland zur Rettung deutscher Bürger und anderer Zivilisten im Rahmen der nationalen Risikofürsorge“, zitiert Norbert Rieger im Landsberger Tagblatt den Referenten. Und weiter: „Die Durchführung ist nicht an die politische Ausrufung eines Spannungs- oder Verteidigungsfalles gebunden.“ Als Beispiel wählte Oberst i. G. Geilen die Evakuierungsmission Pegasus in Libyen im Frühjahr 2011, die er als stellvertretender Leiter führte. Das Ziel dieser Mission war, die durch Revolutionskämpfe bedrohten deutschen Bürger und die anderer Nationen aus der libyschen Wüste zu retten. Das Ergebnis des Einsatzes formulierte der Oberst militärisch kurz und präzise: »Alle Soldaten heil zurück. Alle Evakuierten in Sicherheit. Auftrag ausgeführt«.

Brigadegeneral Munzlinger (Mitte) referierte über traumatisierte Soldaten in der Lechfeldkaserne. Mit dabei waren

der stellvertretende Kommodore JaboG 32, Thomas Dohler (links) sowie der Sektionsleiter der GfW,

Dr. Walter Laudes. Foto: Rieger

„Als Soldat der Bundeswehr im Einsatz traumatisiert. Was dann?“ Diese Frage stellen sich viele Soldaten und ihre Angehörigen, seit die Bundeswehr im Auslandeinsatz, vor allem in Afghanistan, eingesetzt ist. Antwort zu dem Thema Posttraumatische Belastungsstörung gab der Beauftragte des Verteidigungsministeriums, Brigadegeneral Christof Munzlinger: „Krankheit und Verwundung lassen sich diagnostisch nachweisen, der Riss in der Seele hingegen ist nicht abbildbar.“ Große Schwierigkeiten bereiten darüber hinaus, dass psychische Störungen nach dem »Auslöseereignis« nicht sofort auftreten, sondern oft erst nach monatelanger Verzögerung ausbrechen würden. Munzlinger, 2006 selbst Kommandeur des deutschen Einsatzkontingents in Afghanistan, hob vor allem die „klassische medizinische Betreuung im Einsatz“ hervor. Die gesetzlichen Voraussetzungen für die Rechtssicherheit der Traumatisierten und ihrer Familien halte jedem internationalen Vergleich stand. Mit der tröstlichen Feststellung, dass 80 Prozent der traumatisierten Fälle heilbar seien, schloss General Munzlinger seinen Vortrag.

In das diesjährige Themenfeld „Afghanistan“ passte auch der Besuch des ehemaligen Kommodores des Jagdbombergeschwaders (JaboG) 32, Brigadegeneral a.D. Hans-Georg Schmidt als Landesvorsitzender Bayern bei der GfW - Sektion Augsburg- Lechfeld. Vor dem Hintergrund seiner persönlichen Einsatzerfahrungen in Afghanistan stellte er „Afghanistan aus einem anderen Blickwinkel“ vor. Er brachte den Zuhörern die Menschen dieses Landes, ihre Lebensweise und Mentalität aus seinen eigenen persönlichen Erlebnissen heraus näher. Die Hilfe der Schutztruppe ISAF, besonders auch die der Bundeswehr, habe aber durchaus positive Ergebnisse gebracht, die vor allem in Schule und Verwaltung auch nach dem Abzug aller internationalen Truppen Grundlage für eine Weiterentwicklung sein könnten. Auf die Frage nach der Zukunft Afghanistans lautete die persönliche Einschätzung von Schmidt: »Nach meiner Bewertung werden wir ähnliche Zustände wie heute im Irak erwarten müssen«.

Brigadegeneral a. D. Hans-Georg Schmidt stellt „Afghanistan aus einem anderen Blickwinkel“ vor.

Links: Sektionsleiter Dr. Walter Laudes. Foto: Rieger

Mit der fetten Überschrift „China – ein Riese in der Krise“ machte die Augsburger Allgemeine auf den Vortrag von Prof. Dr. Gunther Schmid im Offiziersheim der Lechfeldkaserne aufmerksam. Auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik referierte der Fernostexperte über das Reich der Mitte und stellte sich der Frage, ob sich China nach dem Machtwechsel im November 2012 in einer Krise befinde. Schon mit seinem Einleitungssatz zog der Referent seine Zuhörer in den Bann „Im März vergangenen Jahres (2012) sei in der Kommunistischen Partei (KP) Chinas etwas Ungeheures passiert. Aus den eigenen Reihen wurde geputscht, allerdings ohne Erfolg. »Die seit dem Parteigründer Mao herrschende straffe Hierarchie mit klaren Befehlsketten ist verloren gegangen. Netzwerke durchdringen alle Ebenen«, beschrieb der Professor den desolaten Zustand der KP Chinas. »Der Machtapparat ist in totalem Umbruch begriffen«. Die Herkulesaufgabe der neuen Spitze werde es sein, die Erosion von Staat und Partei zu revidieren. »Gelingt dies nicht, sind soziale Stabilität und nationale Einheit nicht mehr gewährleistet«, sagt Schmid. Nur eines stehe für ihn fest: »China war nie eine Demokratie – und wird auch nie eine werden«. Den Ausführungen schloss sich eine rege Diskussion an. Besonders die als Gäste der GfW-Sektion anwesenden Politikstudenten der Universität Augsburg warteten mit einem wahren Bündel an Fragen auf.“

Bei dem jüngst gehaltenen Vortrag referierte der Vorsitzende des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland, Simon Jacob, über das brandaktuelle Thema „Arabischer Frühling zwingt Christen zum Verlassen der Heimat“. „Simon Jacob, geboren in der Osttürkei nahe der syrischen Grenze, kam als Kind mit seinen Eltern nach Deutschland und absolvierte später sogar seinen Wehrdienst auf dem Lechfeld“. Mit diesen Worten stellte der stv. Sektionsleiter und Oberst d. R. Dietmar Paun den Referenten dem zahlreichen Auditorium vor. Anschließend ging dieser dann auf die Situation in den Staaten des Nahen- und Mittleren Ostens ein, wobei er die Verbreitung der modernen Medien als Hauptursache für die zunehmende Radikalisierung der islamischen Welt gegen die Christen verantwortlich machte. „Während in der Türkei sich die Lage für uns verbessere, sind im Irak die Christen die Leidtragenden zwischen den Mühlsteinen des wahnsinnigen Kampfes von Sunniten gegen Schiiten.“ In Ägypten würden die Hassprediger überhand nehmen, sodass christliches Leben kaum noch möglich sei. Zum Brennpunkt Syrien, wo zehn Prozent der 22 Millionen Einwohner Christen seien, wurden und werden diese durch das Regime noch respektiert. Überall dort, wo noch geordnete Machtstrukturen vorhanden seien, würden auch Christen noch geduldet sein. Die Menschen kämen aus Stammeskulturen, in denen das Prinzip der Clan-Herrschaft gelte. Diesen Kulturen, zeigte abschließend Jacob auf, könne man nicht das System westlicher Demokratien überstülpen.“ Es gelang ihm sehr authentisch sowohl die Denkweise der bisher in Syrien verbliebenen Christen verständlich zu machen als auch Sensibilität für mögliche aus Syrien und dem gesamten Orient nach Mitteleuropa durch extreme Islamisten bzw. religiöse Fanatiker transferierte Risiken zu entwickeln.

Dank unseres Pressereferenten, Norbert Rieger, der für die Schwabmünchner Zeitung, einer Ausgabe der Augsburger Allgemeinen schreibt, ist die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik in der Region sichtbar und fest verankert. Durch Ankündigung in den lokalen Zeitungen neugierig geworden, finden immer wieder auch neue Gäste zu den aktuellen und qualitativ hochwertigen Vorträgen den Weg in die Kaserne. Mancher kann dann auch als neues Mitglied gewonnen werden.

Mit einer breiten Palette aktueller verteidigungs- und sicherheitspolitischer Themen, versucht die GfW dem „freundlichen sicherheitspolitischen Desinteresse“ entgegenzuwirken. Auch in Zukunft ist die Sektion Augsburg-Lechfeld bemüht, den hohen Standard zu halten.

In eigener redaktioneller Verantwortung

Walter Laudes, Dietmar Paun, Norbert Rieger

 

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