Nr. 01/2013

Periodischer Beitrag

Landesbereich II

Niedersachsen und Bremen

 

Landesbereich

Alleine im Landesbereich II fanden in diesem Jahr bereits über 70 Vorträge  und Informationsreisen statt.  Ein breites Spektrum von „Die reden, wir sterben – Erfahrungen eines Kriegsteilnehmers“ bis „Wasser – unser Umgang mit dem knappen Gut“ wurde dabei thematisiert. Vorträge zur aktuellen Situation in Afghanistan und Nahost, aber auch die Bundeswehr und ihre Reform betreffende Themen haben die Sektionen des Landesbereiches in der Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt. Namhafte Referenten aus Politik, Bundeswehr, sicherheitspolitischen Institutionen und Forschungseinrichtungen konnten für Rück- und Ausblicke in speziellen Themenstellungen gewonnen werden. Truppenbesuche verschafften zudem einen realen Zugang und Hintergrund zu Bundeswehrthemen.

 

Sektion Bremervörde - Zeven

Sektionsleiter Oberstleutnant a.D. Werner Hinrichs

Die Sektion Bremervörde-Zeven hat  unter der Führung von Sektionsleiter Werner Hinrichs, aufbauend  auf der guten Arbeit seines Vorgängers Winfried Goossen, weiter gearbeitet und das Angebot an Vorträgen und Exkursionen erweitert und vertieft.

So werden  jährlich acht bis neun Veranstaltungen organisiert. Vorrangig Wissenschaftler aus sicherheitspolitischen Einrichtungen oder Hochschulen, aber auch Soldaten informieren über die Hintergründe tagespolitischer Ereignisse oder erzählen aus persönlichen Erfahrungen. Ehrenamtlich organisieren Werner Hinrichs, der stellvertretende Vorsitzende Bernd Michaelis und auch Schriftführer Hans-Dieter Kück die Veranstaltungen der Sektion sowie Exkursionen zu aktiven Truppenteilen der Bundeswehr. Das öffentliche Interesse ist groß. Neben Gästen, die der Bundeswehr nahe stehen, finden sowohl Lokalpolitiker als auch an Politik interessierte Bürger den Weg zu den Veranstaltungen.

Die Sektion hatte auch in 2012 wiederum sicherheitspolitische Themen von großer Relevanz auf der Agenda.

So referierte Oberstleutnant Klaus-Dieter Betz am Beispiel der Logistikschule in Kabul über den Aufbau, die Ausbildung und die bestehenden Problemfelder bei der Afghanischen Armee.

Das Thema Afghanistan beschäftigte die Sektion noch einmal aus ganz anderer Sicht. Der frühere Fallschirmjäger und Personenschützer Tino Käßner, berichtete in seinem Vortrag „Mit einem Bein zurück aus Kabul“, wie sein letzter Afghanistan-Einsatz sein Leben und das seiner Frau veränderte. Käßner zeigte beeindruckende Bilder aus Afghanistan, erzählte von seinen Einsätzen und dem „verhängnisvollen Tag“ vor nunmehr sieben Jahren, der sein Leben veränderte.

Afghanistan-Veteran Tino Käßner

Die Hoffnung, dass die Terrororganisation Al Qaida an Macht verloren hat, teilte Dr. Hans Krech nicht. Der Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Forums für Internationale Sicherheit analysierte in dem Vortrag „Al Qaida 2009 bis 2012 – Strategische Planung und militärische Taktiken“ die Struktur und Organisation von Al Qaida. Er berichtete unter anderem von einer Öffnungsabsicht der Terrororganisation gegenüber anderen islamistischen Terrorgruppen.

Welche Rolle Al Qaida im Nahen Osten spielen wird, lässt sich noch nicht erahnen. Den Arabischen Frühling hat die Sektion gleich in mehreren Vorträgen von Fachleuten beleuchten lassen. „Libyen nach Gaddafi – Staatszerfall oder Staatsbildung?“ hinterfragte Wolfram Lacher von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin (SWP) sowie sein Kollege Dr. Stephan Roll, der „Ägypten nach Mubarak – Perspektiven und Probleme des Übergangs“ aufzeigte. In Anbetracht des Arabischen Frühlings und der politischen Situation ist der Israel-Palästina-Konflikt in weite Ferne gerückt. „Ein Konflikt ohne Ende?“ fragte Dr. Heinrich Heiter, Publizist. Er erklärte die Hintergründe, die zu der Entstehung des Staates Israel führten und ging auf die Siedlerproblematik, die Flüchtlinge, die Grenzen, den Mauerbau, die Trinkwasserproblematik, die Sicherheit und die Anerkennung Israels als jüdischer Staat ein.

Mit überraschenden Zahlen wartete Dr. Christian Wagner, SWP, in seinem Vortrag über „Indien als Großmacht“ auf. 1,1 Milliarden Einwohner hat Indien und damit mehr Menschen als der gesamte afrikanische Kontinent. 22 verschiedene Sprachen werden in Indien gesprochen. Auch wenn nur 13 Prozent der Inder muslimisch seien, „ist Indien damit eines der größten islamischen Staaten der Erde.

In der Öffentlichkeit wenig beachtet, jedoch ein näheres Hingucken wert, sind die sogenannten „Failed States“ Somalia und der Sudan. Dr. Axel Krohn von der Führungsakademie der Bundeswehr warf in „Afrika – aktuelle Entwicklungen im Krisenmanagement“ einen fast hoffnungslosen Blick auf die Entwicklung und zeigte die Interessensgruppen auf, die im Hintergrund agieren.

Eine leise Ahnung über den logistischen Aufwand, einen Einsatz wie in Afghanistan überhaupt durchführen zu können, erhielt die Sektion bei ihrem Besuch in der Logistikschule der Bw in Garlstedt. In 250 unterschiedlichen Lehrgängen werden dort jährlich rund 15.000 Soldaten auf ihre Aufgabe vorbereitet. Vom Koch, über Fahrlehrer bis hin zum Werkstattleiter bildet die Bundeswehr hier Teilstreitkraft übergreifend Soldaten aus.

„Maritim“ ging es hingegen bei dem Besuch des Marinegroßverbandes  Einsatzflottille 2 zu. Hier wurde die aktuelle Lage der deutschen Marine in einem Vortrag dargestellt und die Truppenküche besucht. Das Highlight der Exkursion war die Besichtigung der Fregatte „Niedersachsen“. Anschließend wurde noch das Deutsche Marinemuseum besichtigt. Knapp 60 Interessierte nahmen an der Exkursion teil.

Besuch der Einsatzflottille 2 in Wilhelmshaven

In der Fallschirmjäger-Kaserne warf Oberst Ulrich Kirsch, Bundesvorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbandes einen kritischen Blick auf die „Neuausrichtung der Bundeswehr“. Die sechste Bundeswehrreform seit 1990 sei für die Soldaten eine „weitere Phase der Unsicherheit“, dessen soziale Härten abzumildern seien. „Der große Wurf“, den man sich von der Bundeswehrreform erhofft habe, sei jedenfalls ausgeblieben, denn nicht die neue sicherheitspolitische Lage oder Veränderungen in den Streitkräften seien Motor der Reform gewesen, „es war das Spardiktat des Bundesministers für Finanzen.“

„Quo vadis Sicherheitspolitik?“ fragte die GfW-Präsidentin und ehemalige Vorsitzende des Verteidigungsausschusses Ulrike Merten. Sie beschrieb die Veränderung der sicherheitspolitischen Lage seit der Wende, weg von der Landesverteidigung, hin zur Krisenprävention im Ausland. Die Politik habe es aus ihrer Sicht bis heute versäumt, ein Konzept zu erarbeiten, bemängelt Merten. „Wann beginnen wir einen Einsatz?“, „Wohin soll er führen?“ und „Warum findet er statt?“.  Eine Diskussion mit dem Ziel, ein sicherheitspolitisches Konzept zu erarbeiten, scheitere an dem, was politisch durchsetzbar sei, so die GfW-Präsidentin.

Ob Luftschloss oder realistisches Ziel?! Mit dem Gedanken gemeinsamer Europäischer Streitkräfte beschäftigte sich Oberst a. D. Bernhard Gertz, Vizepräsident der EUROMIL und führte damit die Vortragsreihe fort, die mit der GfW-Präsidentin begonnen und im Folgenden von Christian Klein, dem ehemaligen Referenten für Sicherheitspolitik im Haus Rissen in Hamburg, mit der Fragestellung „Vernetzte Sicherheit – vernetzte Sicherheitspolitik“ fortgesetzt wurde.

Die Abschlussveranstaltung  des Veranstaltungsjahres 2012 warf einen Blick auf die russische Sicherheitspolitik gegenüber Europa. Dr. Aschot Manutscharjan, Historiker und Publizist, betrachtete dabei besonders die postsowjetischen Staaten wie die Ukraine, Weißrussland und die Kaukasus-Region. 

In eigener redaktioneller Verantwortung

Werner Hinrichs

Oberstleutnant a.D.

Landesvorsitzender Niedersachsen und Bremen

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