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Nr. 01/2012
Periodischer Beitrag des
Landesbereichs VI
Landesbereich VI – Bayern
Herausragende Veranstaltungen im Verlauf eines Jahres sind auch immer
die überregionalen Seminare, die in Kooperation mit anderen
Gleichgesinnten durchgeführt werden.
Dies sind
für den Landesbereich Bayern die Nürnberger Sicherheitstagung,
die traditionell im Juni stattfindet und im Herbst das
sicherheitspolitische Seminar der Arbeitsgemeinschaft der
Reservisten-, Soldaten- und Traditionsverbände (ARST), das in
diesem Jahr vom 07. bis 09. November wieder in Kloster Banz stattfand.
Der Webmaster des Landesbereichs Bayern der GfW, Herr Oberstleutnant
a.D. Joachim Noehl M.A. hat das Seminar besucht und beobachtet.
Nachfolgend sein Bericht über das diesjährige Herbstseminar der ARST
unter der Leitung ihres Präsidenten, GM a.D. Jürgen Reichardt. Wie
alljährlich, stand es unter dem Leitthema „Sicherheit in der Welt von
morgen“:
Der
Tagungsort:
Das
burgähnliche Kloster Banz, in Oberfranken oberhalb des Maintals
gelegen, war bis nach dem II. Weltkrieg Abtei, danach für kurze Zeit
Altenheim, bis es die Hanns-Seidel-Stiftung 1978 erwarb und so vor dem
Verfall rettete. Heute gilt dieses Zentrum für Erwachsenenbildung als
bestens ausgerüstete Tagungsstätte für etwa 23.000 Gäste jährlich. In
ihren Mauern will man die demokratische und staatsbürgerliche Bildung
des deutschen Volkes fördern.

Kloster Banz bei Bad Staffelstein. Bildungszentrum der
Hanns-Seidel-Stiftung
Der
Teilnehmerkreis:
ARST steht
für Arbeitsgemeinschaft der Reservisten-, Soldaten- und
Traditionsverbände in Bayern. In diesem Dachverband sind 17 in Bayern
tätige Vereine Mitglieder. Sie haben sich zum Ziel gesetzt,
Verständnis und Akzeptanz für aktive und ehemalige Soldaten durch
staats- und sicherheitspolitische Bildungsarbeit zu fördern.
Das
jährlich gleiche Leitthema des Seminars „Sicherheit in der Welt von
morgen“ will liebgewordene Mythen und politische Aussagen in Frage
stellen, die trotz steter Wiederholung den Blick auf die Welt von
morgen verstellen.
Die
Referenten und ihre Vortragsthemen:
Brigadegeneral Wolfgang Krippl: „Die Pioniertruppe der Bundeswehr“
Dass der
General der Pioniere und Kdr PiS/FSHBauT sich nicht nur auf seine
Truppengattung beschränkte sondern die Strukturreform auch zum Anlass
nahm, grundsätzliches zur Neuausrichtung des Heeres zu sagen, nimmt
so kurz nach Veröffentlichung des Stationierungskonzeptes nicht
Wunder. Das Aufgabenspektrum des Heeres (Einsatzkräfte,
Stabilisierungskräfte, humanitäre Operationen und Katastrophenhilfe)
dazu die Verringerung des Personalumfanges, bleibt auch für die
Pioniertruppe nicht ohne Folgen.
Grundlage
für die Zukunftsstruktur der Pioniertruppe (das Gesicht des Heeres im
Jahr 2017) ist das in Afghanistan bewältigte Aufgabenspektrum.
Notwendig sind Pionierberatung auf allen Führungsebenen,
Pionieraufklärung, Fähigkeit zum Überwinden von Hindernissen,
Brückenbau, Straßenbau, Schutzbauten und Wassererschließung, die
Mehrfachbefähigung der Züge auch zur Kampfmittelabwehr (nicht mehr
Kampfmittelbeseitigung). Die Fähigkeit zum Minenkampf (eine der
bisherigen Schwerpunktaufgaben) wird auch aus humanitären und
politischen Gründen aufgegeben. Die Gesamtstärke der Pioniertruppe
wird sich zwar verringern, dabei erhöht sich jedoch der Anteil der
Pioniere in der Gesamtstruktur von 7,6 % auf 13,2%.
Andreas
Köhler, Vizepräsident WBV Süd: „Die Neuordnung der Wehrverwaltung“
Da noch
nicht alle Strukturentscheidungen getroffen sind, die Feinausplanung
und die Zielstruktur noch fehlen, können personelle Maßnahmen
zurzeit noch nicht getroffen werden. Die territoriale Wehrverwaltung,
das waren die WBV, die KWEA und die Bundeswehrdienstleistungszentren.
Sie wird zwar umgegliedert und wesentlich verschlankt, die Aufgaben
bleiben aber im Wesentlichen erhalten.
In der
neuen Struktur entfallen die KWEA, es bleiben das Bundessprachenamt,
das Bildungszentrum der Bw für Weiterbildung und Qualifizierung, das
Bundesamt für das Personalwesen der Bundeswehr mit der nunmehr
zentralisierten Aufgabe der Personalführung des Zivilpersonals, der
Soldaten, der Reservisten sowie zuständig für Personalgewinnung und
evtl. das gesamte Abrechnungswesen dabei Heilfürsorge, Gehälter und
Beihilfezahlungen, das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und
Dienstleistungen und das Bundeswehrdienstleistungszentrum.
Für die
Nachwuchsgewinnung (neu!) stehen 16 Karrierezentren bereit (8 davon
können Eignungsfeststellungen durchführen) sowie 110
Karriereberatungsbüros für Information, Beratung und Betreuung (man
sollte sich am nicht endgültigen Begriff nicht stören).
Als
Ergebnis der Strukturentscheidung bleibt festzustellen: Die
Bundeswehr dünnt in der Fläche aus; kein Standort bleibt verschont.
Ferner geht der Weg vom dezentralen Ansatz zur Zentralisierung aller
Aufgaben sowohl beim Personal als auch bei der Verwaltung der
Liegenschaften (der Wehrbereich übergibt die Liegenschaften an die
BIMA und mietet diese für ca. 800 Millionen €/Jahr zurück). Ob
Ähnliches für den Verpflegungssektor vorgesehen ist (Versorgung aller
Standorte ohne eigene Truppenküche zentral von Oldenburg) bleibt
abzuwarten.
Generalmajor Gert Wessels: „Kommandostrukturen in Bayern“
Der
Befehlshaber im Wehrbereich IV gab in seinem Vortrag einen
Überblick über die Gesamtentwicklung vom Ministerwechsel bis zur
Strukturentscheidung:
Die
Neuausrichtung der Bundeswehr gilt für Heer, Luftwaffe, Marine,
Streitkräftebasis und den zentralen Sanitätsdienst. Neue Aufgaben der
Ämter erfordern neue Namen und Begriffe. Der Generalinspekteur ist
nunmehr für die Führung der Streitkräfte sowie die Planung der
Militärstrategie verantwortlich.
Das BWB
wird Bundesamt für Ausrüstung und Nutzung (die Materialverantwortung
nicht mehr bei der TSK oder dem MilOrgBereich). Die Infrastrukturstäbe
werden aufgelöst, die Schulen des Heeres zu Zentren für die
Ausbildung. Das Heeresamt wird Amt für Heeresentwicklung, bleibt aber
in Köln. Das Kommando Heer wird in Strausberg aufgestellt.
Vom WBK
IV bleiben die Landeskommandos München und Stuttgart übrig. Der
Sanitätsdienst wird zentralisiert.
Das Heer nimmt die klassische Brigadegliederung ein. Die
Hauptwaffensysteme werden der Struktur angepasst und teils drastisch
reduziert.
Bei den
Stationierungsentscheidungen geht Ausdünnung vor Schließung (31
Standorte werden geschlossen; 90 Standorte werden drastisch reduziert.
Ausblick
und Resümee: Erst wenn das Personalstrukturmodell veröffentlicht ist,
kann man Dienstposten bewerten und damit Personalmaßnahmen einleiten.
Für Bayern gilt: bei der Reduzierung ist man mit einem blauen Auge
davongekommen.

GenLt und Minister a.D. Schönbohm, GenMaj a.D. Reichardt, GenMaj
Wessels vlnr.
Generalleutnant a.D. Jörg Schönbohm: „Zu Fragen der Gegenwart“
In einer
Tour d`Horizon ging der ehemalige Innenminister von Brandenburg und
der für die Eingliederung der NVA in die Armee der Einheit zuständige
General auf die politisch-geistige Situation in der Bundesrepublik
ein. Er machte deutlich, dass Deutschland nicht länger ein Recht auf
einen Sonderweg hat, etwa auf Schonung bei der Lösung internationaler
Probleme. Nicht länger dürfe sich Deutschland bei der Gestaltung einer
neuen Weltordnung passiv verhalten; es müsse eine Führungsrolle bei
Bewältigung der Zukunftsaufgaben annehmen (das gilt auch für den
Libyen-Einsatz).
Nicht
länger müssten wir um das Vertrauen der Nachbarn buhlen; dass sie uns
vertrauen, haben sie durch ihre Zustimmung zur Wiedervereinigung
längst bewiesen. Die Streitkräfte seien den Weg von der Armee der
Abschreckung hin zur Armee im Einsatz gegangen und erfüllten diese
Aufgabe im internationalen Vergleich hervorragend, so der Ex-General
und Minister. Nicht länger sollten wir hinnehmen, dass sich die neuen
Länder zu einer Transformationsgesellschaft und die alten Länder zu
einer Zivilgesellschaft entwickelten. Freiheit und Eigenverantwortung
haben im Osten große Fortschritte gemacht.
Nicht
länger sollten wir alle Themen und Probleme materiell angehen. Nicht
Elterngeld löst das demographische Problem; wichtiger sei das
Bekenntnis zur Familie und gute Bildungspolitik.
Nicht
länger dürfe man die Meinungsfreiheit beschneiden; jeder dürfe sagen,
was er denkt; denn jede Kritik zwingt die Politik, sich des Problems
anzunehmen. Jeder ist seines Glückes Schmied. Dazu muss die Politik
die Voraussetzungen schaffen, ohne die Eigenverantwortung durch
staatliche Leistungen zu ersetzen.
Fazit: Es
blieb dem Zuhörer nicht verborgen, wie unzufrieden der Redner mit den
derzeitigen Vertretern des politischen Systems ist. Er fordert
Gestaltungswillen statt Rücksichtnahme.
Dr.
Wolfgang Thüne: „Zum Stand der Klimadiskussion“
Der
Referent ist Meteorologe und das „enfant terrible“ unter den
Klimaschützern. In seinem Vortrag wollte er die Begriffe Erderwärmung,
Treibhaus, Treibhauseffekt und Klima entzaubern und beweisen, dass
Menschen kritiklos alles das glauben, was ihnen durch stete
Wiederholung als Wahrheit verkauft wird.
Der Referent konnte sehr anschaulich, verständlich und engagiert ein
nicht fachkundiges Publikum von seiner These überzeugen, dass Politik
und Wirtschaft dem Märchen vom Treibhauseffekt aufgesessen sind.
Er begründete seine These mit den physikalischen Gesetzen von
Bewegung, Lichtbrechung, Abkühlung, Energie. Er widersprach der These,
dass die Erde ein Treibhaus sei, dessen Dach durch CO2 gebildet werde.
Die Erde ist nach oben hin offen und verliert in klaren
Strahlungsnächten 70 bis 90% der Wärme ins All (auch ein Treibhaus
würde wie jeder Gegenstand Wärme verlieren und sich nicht aufheizen).
Nicht nur Sonnenstrahlen sondern auch sogenannte Treibhausgase
ermöglichen das Leben auf Erden (ein Kubikmeter Holz bindet während
seines Wachstums eine Tonne Kohlenstoffdioxyd.
Fazit:
Lassen wir uns nicht verrückt machen von einer Wissenschaft, deren
Forschungsgelder und Drittmittel allein durch die Zukunftsangst der
Bevölkerung begründet ist.
Richard
H. Mayr: „Rohstoffe und Wirtschaft“
Vom
Gesamtgebiet der Ökonomie mit Mikroökonomik und Makroökonomik
behandelte der Referent nur das kleine Fachgebiet Geld und Kredit
sowie Konjunktur und Wachstum. Dabei skizzierte er ein düsteres
Zukunftsbild auf dem Geld- und Devisenmarkt, ein Untergangsszenario
mit einer kommenden tiefen Depression und einem starken inflationären
Druck bis hin zu einer Inflation. Schuld sind nicht nur die
Schuldenweltmeister Japan und Amerika mit einer Verschuldung von 400%
des Bruttoinlandproduktes (dagegen ist Griechenland ein Waisenknabe)
und einer Prokopfverschuldung von 122.865 Dollar, sondern auch der
auf stetem Wachstum ausgerichtete Kapitalismus mit seinen endlichen
Ressourcen. Der in allen Währungen wachsende Goldpreis kann als
Inflationsindikator gesehen werden.
Sein
Fazit: Wir gehen den Zuständen der Weimarer Republik entgegen mit
Ausschreitungen wie z. Z. in Griechenland, einem Währungsschnitt und
schlimmstenfalls einem internationalen Konflikt, gleichsam als
Befreiungsschlag aus der Krise.
Fazit für
den Seminarteilnehmer: Eine hervorragende Begründung für jeden
potentiellen Geldanleger, die Flucht in Sachwerte anzutreten.
Generalmajor a.D. Jürgen Reichardt: „20 Jahre Strukturreformen – der
lange Weg nach Afghanistan“
Das Thema
macht deutlich, dass die Bundeswehr schon viele Reformen überlebt hat,
wobei alle bisherigen Reformen nach wenigen Jahren überholt waren oder
nicht realisiert wurden. Die Begründung war jedoch immer die gleiche.
Wir gliedern um von einer Verteidigungs- zu einer Interventionsarmee.
Auch die derzeitige Struktur, die bis 2017 eingenommen sein soll,
steht unter vielen Vorbehalten (die außenpolitische Gesamtlage kann
sich ändern, Wahlen stehen uns bevor). Wir müssen aufpassen, dass die
Truppe nicht mit Aufgaben und Anforderungen überlastet wird, ständig
der Haushaltsansatz für die Bundeswehr zur Disposition steht, die
deutschen Interessen weltweit nicht ständig neu formuliert werden und
die Aufgabe militärische Anforderungen nicht zum unwiederbringlichen
Verlust der Fähigkeit führen.
Dennoch hält der Referent die derzeitige Reform auf Grund ihrer
konzeptionellen Grundlagen für überzeugend.
Joachim Noehl, M.A.
In den
bayerischen Sektionen werden umfangreiche und interessante
Veranstaltungen geboten.
Hinsichtlich unserer Veranstaltungen lohnt sich immer der Blick ins
Internet unter
www.gfw-bayern.de.
In eigener
redaktioneller Verantwortung
Hans-Rüdiger Roeske
Oberst
a.D.
Vizepräsident und
Landesvorsitzender Bayern
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