„Nach vorn geht mein Blick“

Maritime GfW-Bundesvorstandssitzung an der Kieler Förde

Der Vorstand tagt

In der letzten Septemberwoche traf sich der Bundesvorstand der GfW zu seiner alljährlichen Herbstvorstandssitzung. Turnusgemäß war der Landesbereich I – Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern mit der Ausrichtung beauftragt. Dessen Landesvorsitzender, Fregattenkapitän a.D. Max Lübke, wählte als Tagungsort das Offizierheim des Marinestützpunktes Kiel-Tirpitzhafen an der Kieler Förde, ein in gewisser Hinsicht symbolträchtiger Ort für diese Herbstvorstandssitzung. Beim Anblick der auf der Förde vorbeiziehenden Schiffe dachte vielleicht so mancher Tagungsteilnehmer an Hans Albers‘ La Paloma-Text: „Nach vorn geht mein Blick, zurück darf kein Seemann schau’n“. Zwar gehörten die Vorstandsmitglieder, mit Ausnahme des gastgebenden Landesvorsitzenden Lübke, eher in die Kategorie der Sehleute, „Nach vorn geht mein Blick“ wäre aber dennoch ein äußerst treffendes  Motto dieser Vorstandssitzung gewesen, war doch auch der Blick der Vorstandsmitglieder in erster Linie nach vorn gewandt, ganz auf die Zukunft der GfW gerichtet. Und dies aus gutem Grund: Unsere am  5. Januar 1952 in München als Gesellschaft für Wehrkunde gegründete Vereinigung wird in Kürze 60 Jahre alt. Das erfüllt uns mit Stolz, denn keine sicherheitspolitische Bildungsinstitution in der Bundesrepublik ist älter als die GfW!

Für den Vorstand ist das bevorstehende Jubiläum aber weniger ein Anlass zu nostalgischer Rückschau, als vielmehr Grund, die Strukturen der GfW sowie Inhalte und Zielsetzungen unserer sicherheitspolitischen Bildungsarbeit auf den Prüfstand zu stellen und die GfW so für die Zukunft aufzustellen, dass die  60-jährige Erfolgsgeschichte auch unter den geänderten politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des 21. Jahrhunderts fortgeschrieben werden kann.

Eigens zu diesem Zweck hatte GfW-Präsidentin Ulrike Merten bereits bei der letzten Bundesversammlung am 13. April 2011 in Berlin eine Findungskommission ins Leben gerufen, die sich in mehreren Arbeitsgruppen mit der Zukunft der Gesellschaft befassen sollte. Unter der Leitung des Vizepräsidenten und Landesvorsitzenden IV, Richard Bulheller, nahm die Kommission rasch ihre Arbeit auf. Dabei ging sie völlig neue Wege. Das stark verbesserte Informationsmanagement der GfW erlaubte es erstmalig, die Basis der GfW auf rein elektronischem Wege per Fragenkatalog und Online-Diskussionsforum bereits in einem frühen Stadium der laufenden Kommissionsarbeit an der Meinungsbildung zu beteiligen.  So konnten viele Anregungen und Vorschläge aus den Sektionen direkt in die Gruppenarbeit einfließen. Dieser partizipative Ansatz verspricht vor allem ein höheres Maß an Akzeptanz von Vorstandsentscheidungen bei den Mitgliedern der Bundesversammlung, als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen ist, als sich der Meinungsaustausch zwischen Vorstand und Basis weitgehend auf die jährliche Bundesversammlung konzentrierte.

Kern der Kommissionsarbeit, die bis zur nächsten Bundesversammlung abgeschlossen werden soll, ist die Entwicklung eines Konzepts, das eine eigenständige und attraktive Selbstdarstellung der GfW  mit konkret und sinnstiftend ausgeprägten Unternehmenszielen zu einer authentischen Ganzheit im Sinne einer „corporate identity“ verknüpfen soll. Hierzu konnten in Kiel schon wichtige Teilergebnisse vorgelegt, diskutiert und schließlich vom Vorstand verabschiedet werden.

Ausgangspunkt eines jeden Unternehmenskonzepts ist das „mission statement“. Daher stand die Entwicklung eines Leitbildes zunächst im Vordergrund der Kommissionsarbeit. Dieses soll kurz und prägnant unser Grundverständnis von Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie Weg und Ziel unserer sicherheitspolitischen Bildungsarbeit darstellen, allen Mitgliedern der GfW als Orientierungshilfe und allen an Sicherheitspolitik interessierten Bürgern als Wegweiser zu uns dienen. Visuell trägt das Leitbild bereits das neue „corporate design“, das den Publikationen der GfW ein attraktives Äußeres mit hohem Wiedererkennungswert verleihen soll. Das Leitbild wurde vom Vorstand einhellig gebilligt.

Einhergehend mit dem Leitbild wurde ein aktualisierter Flyer zur Selbstdarstellung der GfW verabschiedet. Dieser trägt der auch im Leitbild verankerten Zielsetzung Rechnung, die tief greifenden Veränderungen des internationalen Sicherheitsumfeldes sowie die Zusammenhänge und Hintergründe neuer Risiken und Bedrohungen in einer sich zunehmend globalisierenden Welt unter Berücksichtigung des ganzheitlichen Ansatzes einer vernetzten Sicherheitspolitik in den Mittelpunkt unserer Informationsarbeit zu stellen.

Darüber hinaus wurden von der Findungskommission in Kiel sowohl  Ideen zur Verbesserung der Medienarbeit, als auch zur  Intensivierung der Jugendarbeit vorgestellt und diskutiert. Im Vordergrund der Medienarbeit steht vorrangig eine gezielte Pressekampagne zum 60-jährigen Bestehen der GfW, in die auch die EUROPÄISCHE SICHERHEIT mit Extraseiten zur Historie unserer Vereinigung eingebunden sein wird. Die Jugendarbeit soll durch eine engere Kooperation der Sektionsleiter mit den Jugendoffizieren der Bundeswehr angekurbelt werden. Bei beiden Aufgabenfeldern gilt es jedoch im Verlauf der kommenden Monate eine Feinausplanung vorzunehmen.

Ein weiteres Schwerpunktthema der Kieler Vorstandssitzung war die Vorbereitung des Festaktes zu unserem 60-jährigen Jubiläum. Dieser wird am 27. März 2012 in einem repräsentativen Rahmen in den Räumen der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin stattfinden. Bei diesem Anlass darf dann auch der Bundesvorstand gemeinsam mit den Funktionsträgern der GfW in Anwesenheit hochrangiger Gäste aus Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit mit einer gewissen Genugtuung zurückblicken auf 60 Jahre erfolgreicher Informationsarbeit zur sicherheitspolitischen Bewusstseinsbildung der Bürger, mit der die GfW die Sicherheitspolitik Deutschlands unter sich stetig verändernden sicherheitspolitischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen begleitete als ein konstruktiver Beitrag zur Sicherheitsvorsorge unseres Landes.

Beschäftigt man sich einmal über den Rahmen der bei Festreden üblichen Rückschau hinaus etwas gründlicher mit den Wurzeln der GfW, so wird man im Gründungsprotokoll aus dem Jahre 1952 auf nachfolgenden Satz stoßen: „Es dürfen keine nebulösen Vorstellungen erweckt werden, sondern es muss eine präzise Einsicht in die tatsächlichen Zusammenhänge der Politik vermittelt werden,  ein klares Erkennen der Faktoren, die die Lage unserer Heimat, Europas und der Welt bestimmen.“  Diese vor 60 Jahren formulierte Grundidee der GfW hat bis heute uneingeschränkte Gültigkeit. Die realistische Darstellung, Beurteilung und Bewertung der sicherheitspolitischen Lage auf der Welt ist auch im 21. Jahrhundert unter den Vorzeichen neuer Risiken und Chancen in einer sich stetig weiter globalisierenden Welt eine Maxime unserer sicherheitspolitischen Bildungsarbeit. Und das ist auch gut so! Irgendwie beruhigend, dass das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden muss.

Jürgen Rann

Geschäftsführer

In eigener redaktioneller Verantwortung

 

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