Landesbereich III – Nordrhein-Westfalen

„.....was könnte weltweit alles geleistet und geschaffen werden, wenn wir das Geld für Soldaten und den technischen Wehretat in humanitäre Hilfe an all den Konfliktorten einsetzten...! Dieser Aufruf war Teil eines Briefes, den ich vor Weihnachten von einer engagierten jüngeren Dame erhielt. Er endete mit dem Satz: „ Herr Suchland, ich zähle auf Sie !“ Ich habe den Brief, so gut ich konnte, beantwortet und dennoch den Eindruck gehabt, nicht recht überzeugen zu können. Ich versuchte der Schreiberin zu verdeutlichen, dass man erst dann wirkungsvoll und nachhaltig humanitäre Hilfe leisten könnte, wenn man sich vorweg mit der Komplexität heutiger Sicherheitspolitik und ihren Ursachen befasste und dann konsequent auch unter dem Schutz von Soldaten auf den Einzelfall bezogen zum Hilfeversuch ansetzte. Es machte keinen Sinn, spontan und irgendwohin helfen zu wollen, und der Fortfall von Soldaten und Wehretat schaffte nicht automatisch und weltweit Frieden und Gerechtigkeit. Immerhin hat die junge Dame meine Einladung zur nächsten Veranstaltung angenommen, wohl vorerst eher aus Neugierde .....

Mir sind bei dieser Diskussion zwei Dinge erneut deutlich geworden:

Zum einen, wie notwendig Informationen für und Diskussionen mit den Bürgern, die ja wirklich das Gute wollen, sind, zum anderen, wie schwer es ist, die vielfältigen Aspekte von Sicherheit verständlich und nachvollziehbar herüberzubringen ohne sie auf Schwarz-Weiß-Denken zu reduzieren. Es ist nicht der Mangel an Information, weshalb der Bürger skeptisch nach vereinfachenden Lösungen sucht, sondern es sind die komplizierten voneinander abhängenden Entwicklungen und Ereignisse, die in Expertendeutsch und Halbwissen schlaglichtartig übermittelt werden und mehr verunsichern als aufklären. Eine notwendige öffentliche Diskussion oder das Hinterfragen finden nicht mehr statt, häufig , weil spektakuläre Tagesgeschehen sie überrollen und andere Inhalte vorrangig werden.

Hier liegt die eigentliche Herausforderung für unsere Gesellschaft in der Zukunft: Andere und jüngere, auch Frauen, verstärkt für unsere Angebote aufschließen, sie in der Diskussion weiterführend mitnehmen und mit Ideenreichtum in der Darstellung aktueller Sachverhalte überzeugen. Dazu gehören nicht nur methodisch-didaktisch verbesserte Präsentationen, sondern auch neue Ansprechpartner, die bewusste Kooperation mit anderen Vereinigungen und offensives Wirken in die Öffentlichkeit hinein. Deshalb unterstütze ich nachdrücklich die Einrichtung der „Arbeitsgruppe Zukunft“ und die Befragung der SL. Daraus allerdings zu schließen, dass alles Vorweg-Geleistete erfolglos gewesen wäre, und unsere Mitglieder überwiegend zum alten Eisen gehörten, ist schlichtweg falsch, fast schon diffamierend. Unsere Gesellschaft hat bislang gute und wertvolle Arbeit geleistet, die aber ständig den neuen Herausforderungen angepasst und von Jüngeren fortgeführt werden muss. Hier gilt es rechtzeitig vorzusorgen.

Dieses Thema war u.a. auch Inhalt bei der Landesbereichsversammlung in Soest in Gegenwart unserer Präsidentin. Zwei Ereignisse verdienen dabei besonders hervorgehoben zu werden:

Die Verleihung der Ehrenmedaille unserer Gesellschaft an Herrn Dieter Brand SV Sektion Lippstadt und an Herrn Josef Latour SV Sektion Aachen/Heinsberg wegen langjähriger erfolgreicher und beispielhafter Arbeit (siehe Bild mit Präsidentin u.a.).

Außerdem wurde bestätigt, dass der Generalinspekteur der Bundeswehr den Antrag des LV III, ein mehrtägiges Seminar zur Didaktik der Politischen Bildung für SL am ZInFü grundsätzlich genehmigt und zur Ausschreibung befohlen hat.

Es ist bekannt, dass manche Sektionen besonders in Ballungsgebieten um Anerkennung und Akzeptanz in Konkurrenz zu den vielfältigen übrigen Angeboten der Kommunen ringen. Umso motivierender ist es dann für alle, wenn Sektionen Erfolgreiches mitteilen, so wie nachstehend aufgeführt:

 

Soest/Arnsberg

Sektionsleiter: Brigadegeneral a.D. Ulrich Nickel

Das thematisch abwechslungsreiche Vortrags – und Veranstaltungsprogramm der Sektion galt im Jahr 2006 im wesentlichen zwei Schwerpunkten: Zum einen dem erweiterten Sicherheitsbegriff im Innern und zum anderen den Brennpunkten globaler Sicherheitspolitik. Zwei Informationsreisen rundeten die Öffentlichkeitsarbeit der Sektion ab.

Im Rahmen des erstgenannten Themenbereichs kam GLt a.D. Gudera zu Wort mit einer sicherheitspolitischen Analyse unter der Überschrift : „Die äußere Sicherheit Deutschlands in einer unruhigen und gefährlichen Welt ! - Stellenwert, Risiken und Chancen der Verteidigungspolitik.“ Der Referent machte in seinen Ausführungen besonders auf Risiken bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr aufmerksam, hier insbesondere auf Defizite bei der Ausrüstung.

Nachdem im Jahr zuvor das Luftsicherheitsgesetz behandelt worden war, sollte durch zwei weitere Veranstaltungen zum übergreifenden Thema Luftverteidigung ein Bogen geschlagen werden. Der Kommandeur Operative Führung Luftstreitkräfte und Commander Combined Operations Centre 2 , GenLt Hans-Joachim Schubert, stellte in einer überaus interessanten Präsentation vor, wie sich die Transformation der Bundeswehr auf die Luftwaffe und die multinationalen Dienststellen am Standort Kalkar / Uedem auswirken.

Die von GenLt Schubert ausgesprochene Einladung zu einer Informationsreise nach Kalkar und Uedem nahm die Sektion nur allzu gerne an.

Dort ließ es sich GenLt Schubert nicht nehmen, Besichtigungen, Briefings im nationalen und NATO-Gefechtsstand selbst zu leiten und bei ausführlichen Diskussionen Rede und Antwort zu stehen. Auf der Rückreise nach Soest erfolgte ein kultureller Abstecher in den Archäologischen Park Xanten.

Den andauernden Spagat zwischen innerer und äußerer Sicherheit einerseits und Erfordernissen des Datenschutzes andererseits versuchte MinRat Zakrzewski , Referatsleiter bei der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW, deutlich zu machen. Die Grundsatzproblematik, die auch die lange Diskussion um die gemeinsame Datenbank von Bund und Ländern zur Terrorismusbekämpfung beherrschte, die Garantie von Sicherheit u n d Datenschutz, von Persönlichkeitsrechten des Einzelnen und Schutzverpflichtung des Staates – war eine Herausforderung für den Referenten, um dieses Geflecht konkurrierender Interessen transparent zu machen.

Mit Sicherheit auch ein Thema des erweiterten Sicherheitsbegriffes aus der Sicht jeden Bürgers: „Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Deutschland“. Gerade vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussion über das Thema – Einsatz der Bundeswehr in Innern- und der laufenden Neuordnung der zivil-militärischen Zusammenarbeit kam das Thema gelegen, über das Regierungsdirektor Dieter Franke von der „Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz“ aus erster Hand vortrug. Individuelle und kollektive Sicherheit im Sinne von Daseinsvorsorge des Staates für seine Bürger waren Schwerpunkt des Themas. Eine angeregte Diskussion mit designierten Offizieren/Leitern der zukünftigen Verbindungskommandos zu Kreisverwaltungen und kreisfreien Städten unterstrich die Bedeutung dieser neuen Form der Zusammenarbeit.

Der Höhepunkt der diesjährigen Veranstaltungsreihe war eine gemeinsame Veranstaltung mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, für die der bekannte ZDF-Korrespondent und Terrorismus-Experte Elmar Theveßen gewonnen werden konnte. „Die neue Bedrohung in Europa!“–Islamischer Terrorismus oder Kampf der Kulturen ? Ein zweistündiges, hochkarätiges Programm, exzellent recherchiert, medial in Ton und Bild aufbereitet, mit einem Diskussionspartner, der auf jede Frage eine glaubwürdige Antwort bereithielt.

Unter dem zweiten Schwerpunkt hat uns Dr. Sven Bernhard Gareis Antworten auf die Frage gegeben :“ Weltmacht China – Gegner oder Partner im 21.Jahrhundert ?“ Dr. Gareis war Wissenschaftlicher Direktor am sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr in Strausberg, lehrt jetzt an der FüAkBw und ist anerkannter China –und Asienkenner. In einer bestechenden Analyse machte Dr. Gareis deutlich, welche Rolle China in wenigen Jahrzehnten oder gar nur Jahren als global player spielen könnte, als gigantische Volkswirtschaft, als strategische Konkurrenz im pazifischen Raum, als globale Ordnungsmacht.

Der sicherheitspolitische Koordinator der KAS Berlin, Dr. Karl-Heinz Kamp, sprach in einem aktuellen Vortrag zum Thema: „Atommacht Iran – was wollen die Mullahs?“ Die internen Machtverhältnisse, technische Möglichkeiten bzgl. der Urananreicherung und Herstellung von Atomwaffen, die dubiose Rolle des Präsidenten Ahmadinedschad, Implikationen iranischer Politik für die gesamte Region – Dr. Kamp verstand es wieder einmal, seine Zuhörerschaft mit authentischen Informationen und wenig bekannten Sachverhalten zu fesseln. Die zweite Informationsreise der Sektion galt der Heeresfliegerwaffenschule in Bückeburg, wo uns sehr informative Einblicke ermöglicht wurden. Noch eindrucksvoller war ein ausgiebiger Besuch im Preußenmuseum Minden – empfehlenswert in jeder Beziehung.

 

Minden

Sektionsleiter: Oberst a.D. Klaus Suchland

Zum zweiten Mal fand unter der Federführung des SL Minden und in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Bildungswerk Dortmund und der Landesgruppe NRW des VdRBw ein Kurzseminar diesmal im Europa-Haus in Bad Marienberg statt. Thema: „Out of Area – Die Auslandseinsätze der Bundeswehr“ An diesem Beispiel sollte zum einen der Sachstand der Einsätze aus der Sicht der Teilnehmer dargestellt, zum anderen erneut verdeutlicht werden, wie man solche Informationen in die Sektionen und Kreisgruppen bringt. Dabei waren die Berichte eines UN-Militärbeobachters im Südsudan, eines Operationsoffiziers der Marine am Horn von Afrika, eines TrPsychologe in Kabul und eines VgAtt in Dhubai und Moskau beeindruckend und diskussionsfördernd. Sie zeigten allen Seminarteilnehmern deutlich, wie sicherheitspolitische Themen - fesselnd und interessant aufbereitet - für Zulauf zu Veranstaltungen und Resonanz sorgen werden.

Fazit für GfW und VdRBw: „Gemeinsame Interessen vertiefen und dran bleiben!“

Klaus Suchland, Landesvorsitzender NRW

In eigener redaktioneller Verantwortung

 

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