Landesbereich III – Nordrhein-Westfalen

„Das haben wir immer so gemacht“ oder „das muss ich mir nicht mehr antun...“ Solche Sprüche hört man häufig, insbesondere dann, wenn es gilt, seine eigene ehrenamtliche Tätigkeit selbstkritisch zu prüfen oder neue externe Anregungen aufzunehmen. Der Neigung, mit zunehmendem Alter eher verhalten bis distanziert auf ungewohnte Angebote oder Fortbildungen zu reagieren, kann sich niemand verschließen. Gleichzeitig ist aber jedem deutlich, dass wir gerade in der Öffentlichkeitsarbeit mit Schwerpunkt Sicherheitspolitik immer stärker die Regionen besetzen müssen, die die Bundeswehr verlassen hat oder mangels Kräfte nicht mehr optimal betreuen kann. Dazu gehören auch thematische und methodische Herausforderungen, die der veränderten sicherheitspolitischen Landschaft und ihrem neuesten Stand entsprechen. Hinzu kommt die Notwendigkeit, mit anderen Organisationen ähnlicher Zielsetzung noch intensiver zusammenzuarbeiten, um im Rahmen eines für alle sinnvollen Synergieeffekts zu wirken. Nur damit können wir „punkten“.

Vor diesem Hintergrund ist die Zielvereinbarung vom November 2005 zwischen dem VdRBw und der GfW zu sehen. Sie war Grundlage, erstmals ein Seminar am ZInFü gemeinsam mit Teilnehmern beider Vereinigungen zu konzipieren und in der letzten Februarwoche durchzuführen. Es ging dabei nicht nur um Informationen zum Sachstand Innere Führung und deren Umsetzung in den Alltag, sondern auch um den Gedankenaustausch untereinander mit vielen Anregungen und Hinweisen.

Der nachstehende Dienstplan mag verdeutlichen, dass das ZInFü nicht der abgehobene militärische Musentempel und intellektuell anspruchsvolle Rechtfertigungstreffpunkt für Führungskräfte aller Schichten ist – wohin ältere diese Einrichtung kritisch und gern stellen -, sondern ein Bereich, der realistisch, brandaktuell und erkenntnisfördernd wertvolle Arbeit leistet.

(Dienstplan)

Alle Teilnehmer waren angetan von dem Engagement der Dozenten, ihrem umfangreichen Wissen gepaart mit eigenen intensiven Erfahrungen z.B. in Auslandseinsätzen und vom methodischen Geschick. Man war sich sehr schnell einig, dass solche Fortbildung für beide Gesellschaften unumgänglich ist, und die Überzeugungsarbeit, weitere Teilnehmer für künftige Seminare zu finden, verstärkt werden muss.

Auch wenn die Zusammenarbeit auf Sektions-/Kreisgruppenebene im allgemeinen recht gut und pragmatisch orientiert funktioniert, so bieten solche Zusammenziehungen für mehrere Tage unter alltagsfernen Bedingungen eine gute Gelegenheit zur Standortbestimmung, von der beide profitieren.

Schade, dass sich einige so schwer tun, ein solches Angebot anzunehmen. 

(Blick in den Hörsaal)

Von meinen vorformulierten fünf Lernzielen sind zwei in diesem Zusammenhang erwähnenswert:

+ Neue Verfahren und Methoden in der Öffentlichkeitsarbeit

+ Informieren und Umsetzen der Erkenntnisse über die „Jugend heute“ für unsere Arbeit.

Es steht außer Frage, dass neben der Vermittlung von Lerninhalten und Aktualisieren des eigenen Informationsstandes auch die methodisch/didaktische Befähigung zur Moderation gefördert bzw. erzielt werden muss. Was hilft das aktuellste Wissen, wenn es nicht gelingt, durch eine geeignete Referentenauswahl und geschickte Moderation den Zuhörerkreis so anzusprechen, dass auch komplexe sicherheitspolitische Sachverhalte einfach „herüberkommen“ ohne sie zu vereinfachen?

Kurzum: Es muss neben der Wissensvermittlung auch die Schulung in Methodik und Didaktik

stehen. Zur Zeit laufen hierzu Überlegungen, dies im nächsten Jahr in Seminarform anzubieten.

Es steht außer Frage, dass die wichtigste Zielgruppe unserer Arbeit die jungen Menschen sind.

Wer Zukunft verantwortlich und in unserem Sinne mitgestalten will, muss mit den Herausforderungen der Gegenwart konfrontiert und aufgeschlossen werden. Das ist eine Aufgabe, der sich alle Bildungsträger stellen müssen, und bei der wir noch hohe Defizite aufweisen. Bei dem geschilderten Seminar war eine Unterrichtseinheit diesem Thema mit großer Intensität und Nachdenklichkeit gewidmet.

Ein Sektionsleiter aus meinem Bereich hat hierzu weitere Überlegungen angestellt.

 

Siegen-Wittgenstein-Olpe

Sektionsleiter: Oberstudienrat Ferdi Heimel

„Zielgruppe Jugend“ – Überlegungen zur Verstärkung der sicherheitspolitischen Bildungsarbeit für Kinder und Jugendliche

Ein zeitgemäßes, in eine moderne rechtsstaatliche Demokratie passendes Selbstbild und Funktionsverständnis haben Bundeswehr, Nachrichtendienste, Polizei aller Gliederungen, Feuerwehr und Katastrophendienste. Wie sie und mit ihr unsere ganze Gesellschaft sich entwickeln, hängt wesentlich davon ab, welches Bewusstsein und welche unbewussten Einstellungen diejenigen haben, durch die unsere Zukunft gestaltet wird: Unsere Kinder und Jugendlichen.

Junge Menschen müssen für eine der Öffentlichkeitsarbeit in Sicherheitsfragen verschriebene Vereinigung wie die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik – trotz der Altersstruktur ihrer Mitgliederschaft! - die wichtigste Zielgruppe sein. Wer Zukunft gestalten will, muss ein altersgemäßes Bewusstsein für die Probleme der Gegenwart und die absehbare Zukunft bei den künftig Verantwortlichen aufbauen.

Kinder und Jugendliche sind keine einheitliche Zielgruppe. Wichtigste Differenzierungskriterien sind neben dem Alter Bildung, Motivation, Einstellungen und soziale Merkmale. Die Zahl junger Menschen aus Familien mit Migrationshintergrund oder bildungsfernen Familien wird demnächst noch größer werden. Wie sehr es gelingt, gerade sie aktiv in den Prozess öffentlicher Willens- und Bewussteinsbildung zu integrieren, ist von besonderem sicherheitspolitischen Interesse. Ihr Bewusstsein und ihre Einstellung zu den Gefahrenstellen unserer Gesellschaft werden mittelbar praktische Folgen haben. Unsere Zukunft hängt zum Beispiel nicht wenig davon ab, wie sich künftig die jetzt in Deutschland lebenden türkischstämmigen Kinder – hier oder im Ausland - verhalten werden.

Junge Menschen sind besser als ihr Ruf. Die 15. Shell Jugendstudie „Jugend 2006“ beispielsweise zeigt wie andere Untersuchungen auch, dass Jugendliche durchaus Wertorientierungen haben, die für die Zukunft tragfähig sind: Viele sind zu sozialem oder politischem Engagement bereit, ehrenamtlicher Einsatz ist erstaunlich weit verbreitet, und bei allem zeitbedingten Pessimismus haben Jugendliche ein erstaunlich großes Bedürfnis nach sozialer Geborgenheit und sozialer Sicherheit. Soziale Herkunft und schulischer Werdegang sind dabei gewichtige Variablen für die meisten Einstellungen.

Wer am öffentlichen Willensbildungsprozess teilnehmen will, muss Menschen dort erreichen, wo sie sind. Er muss bei Interessen und Motivation, bei real vorhandenen Kenntnissen und Fähigkeiten einsetzen. Aber zunächst muss er seinen Partnern wirklich begegnen: über Medien oder physisch. Anders als die Erwachsenen lassen sich Kinder und Jugendliche in den Schulen nahezu vollständig treffen.

Aus dieser Überlegung ergibt sich, dass sicherheitspolitische Jugendbildungsarbeit ein zentrales Aktionsfeld in allen Schulen des Bildungssystems sehen sollte. Folgendes Vorgehen wäre dabei denkbar:

• Professionelle Entwicklung von Bausteinen eines alterstufengerechten Gesamtlehrplans für alle sicherheitspolitisch relevanten Fragen – vom Feuerschutz (in der Grundschule) bis zum Aufgabenwandel der Bundeswehr (in der Sekundarstufe II)

• Umsetzung dieses Lehrplans in den Schulen nach einem verbindlichen Mindeststunden-Konzept und Verteilung auf in Frage kommende Unterrichtsfächer (etwa nach dem Modell der Verkehrserziehung) in allen Bundesländern auf politischer Ebene mit Beschlüssen in den Länderparlamenten

• Nach Schulformen und Schulstufen differenzierte systematische und ortsnahe Weiterbildungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer als entscheidende Multiplikatoren – Träger: GfW, Bw, insb. Jugendoffiziere, Polizei, Feuerwehr, Rettungsorganisationen und Kooperationen daraus

• Verstärkung der Jugend- und Schulorientierung der Themenangebote der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik

• Bündelung sicherheitspolitischer Bildungsarbeit in moderne Medien und Übermittlungstechniken, Organisation und Impulsgebung für Filme, Internetauftritte und geeignete Medientexte mit Zielgruppen unter 20 Jahren; Zielsetzung: Informationsübermittlung und Bildung eines rechtsstaatlichen sicherheitspolitischen Bewusstseins

• Beratung und Optimierung eines kinder- und jugendorientierten sicherheitspolitischen Bildungskonzeptes der GfW auf Landes- und Bundesversammlungen

• Angesichts der wachsenden Bedeutung internationaler Verflechtung und der globalen Aufgaben ist eine stärkere Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit internationaler Organisationen wie der NATO / EU vor Ort wünschenswert. Die GfW könnte hier Impulse geben.

Da in unserer Organisation fast ausschließlich mit begrenzten (aber bemerkenswert effizienten) Kräften ehrenamtlich gearbeitet wird, benötigen wir zur Verwirklichung einer noch besseren sicherheitspolitischen Arbeit professionelle Hilfe. Diese könnten wir neben der Nutzung der vorhandenen persönlichen Netzwerke in der Zusammenarbeit mit Einrichtungen der politischen Bildungsarbeit, mit Lehrerorganisationen und den für die Schulen zuständigen Ministerien finden. Hier dürfte viel guter Wille nutzbar sein. Auch eine Zusammenarbeit mit Schulbuchverlagen und Internetangeboten für Lehrerinnen und Lehrer wie für Schüler wäre sinnvoll.

Die Sektion Siegen-Wittgenstein-Olpe achtet seit einiger Zeit verstärkt auf Werbung in den Schulen durch Einladungen. Nicht immer werden diese und unsere Programme dort auch nur im Lehrerzimmer ausgehängt. Es gibt aber Anzeichen dafür, dass Reserviertheiten in der Lehrerschaft gegenüber sicherheitspolitischen Fragen geringer werden. Auch ist es uns gelungen, eine nennenswerte Zahl von Neumitgliedern unter 25 Jahren zu gewinnen. Wir arbeiten besonders gern mit Jugendoffizieren der Bw zusammen .

(Jugendoffizier vor der Klasse)

In Zusammenarbeit mit dem Standortältesten der Hachenberg-Kaserne Erndtebrück, den Jugendoffizieren Krüger und Schelkle aus Siegen und Fachlehrern für Sozialwissenschaften an Gymnasien wird eine eintägige ortsnahe Weiterbildung für Politik- und Sozialwissenschaftslehrer stattfinden. Die Themenabende „Nachrichtendienste im demokratischen Staat“ und „Rechtsextremismus heute – zwischen Nationalismus und Protest: Ursachen, Abwehr und Vorbeugung“, jeweils mit Referenten aus dem Führungsstab des nordrhein-westfälischen Innenministeriums, wurden ebenfalls nicht ohne Blick auf die jungen Leute geplant. Ein Besuch im Gesundheitsamt Siegen und ein Vortrag mit Diskussion zum Thema „Zur Lage der Bundeswehr - Zur Zukunft der Teilstreitkräfte“ von GM a.D. Servatius Maeßen waren weitere Programmpunkte unserer südwestfälischen Sektion, die sich, wie hier dargelegt, sehr für eine Verstärkung der sicherheitspolitischen Bildungsarbeit unter Kindern und Jugendlichen einsetzt:

„Damit unsere Zukunft noch sicherer wird.“

Klaus Suchland, Vorsitzender Landesbereich III

In eigener redaktioneller Verantwortung

 

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