Pressebericht zum Vortragsabend am 16.05.2013

vom 23.05.2013

China – ein Riese in der Krise

Prof. Dr. Gunther Schmid referiert im Offiziersheim der Lechfeldkaserne über die aktuelle Situation in der Volksrepublik. Politikstudenten diskutieren mit dem Fernostexperten

Lagerlechfeld. Befindet sich China nach dem Machtwechsel im November 2012 in einer Krise? Dieser Frage stellte sich Prof. Gunther Schmid während seines Vortrags im Offiziersheim der Lechfeldkaserne. Auf Einladung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik referierte der Fernostexperte über das Reich der Mitte.

„Die Berichte der westlichen Medien über China entsprechen häufig nicht der Realität, da sie sich an europäischen Maßstäben orientieren“, sagte Gunther Schmid gleich zu Beginn seines Vortrages. Fakt sei: Der Machtwechsel vor knapp einem halben Jahr war ein einschneidendes Erlebnis für die Volksrepublik.

Im März des vergangenen Jahres sei in der Kommunistischen Partei (KP) Chinas etwas Ungeheures passiert. Aus den eigenen Reihen wurde geputscht, allerdings ohne Erfolg. „Auf dem 18. Parteitag wurde Xi Jinping zum Vorsitzenden, und damit Staatschef gewählt. Le Kiqiang wurde Premierminister“, stellte Schmid die neue Führungsspitze vor.

Die seit Längerem sich häufenden Vorfälle von persönlichen Bereicherungen höchster Funktionäre sei dem Volk nicht zuletzt durch das Internet nicht verborgen geblieben. Dieses Verhalten der Führung habe die KP als „mafiöses Netzwerk“ enttarnt, ihre Legitimation sei zerbrochen. Die enorme Ungleichheit an der materiellen Teilhabe am Volksvermögen tue ihr Übriges. China sei eine der ungleichen Gesellschaften der Welt.

„Die seit dem Parteigründer Mao herrschende straffe Hierarchie mit klaren Befehlsketten ist verloren gegangen. Netzwerke durchdringen alle Ebenen“, beschrieb der Professor den desolaten Zustand der KP Chinas. „Der Machtapparat ist in totalen Umbruch begriffen.“ Die Folge sei ein moralischer Verfall von Gesellschaft und Führung. Die Herkulesaufgabe der neuen Spitze werde es ein, die Erosion von Staat und Partei zu revidieren. Die Weiterentwicklung des Wirtschaftssystems und die Bekämpfung der Korruption seien dazu zwingende Voraussetzungen.

„Gelingt dies nicht, sind soziale Stabilität und nationale Einheit nicht mehr gewährleistet. Das Land ist im Umbruch, was in zehn Jahren sein wird, weiß niemand“, sagt Schmid. Nur eines stehe für ihn fest: „China war nie eine Demokratie – und wird auch nie eine werden.“ Den Ausführungen schloss sich eine rege Diskussion an. Besonders auch Politikstudenten der Universität Augsburg warteten mit einem wahren Bündel an Fragen auf. (nori)

Oben                                                                                                                                                                    Zurück

Unsere Partner: